
Der neue Microsoft Copilot: Wenn Agenten als Update ins Büro kommen.
29. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
Microsoft bündelt Chat, Office, Automatisierung und Agenten im neuen Copilot. Die wichtigste Veränderung für Unternehmen: Agenten kommen zunehmend nicht als separates Großprojekt, sondern als aktivierbare Funktion in Werkzeugen, die bereits im Einsatz sind.
Am 25. September 2026 hat Microsoft den „neuen Copilot“ vorgestellt: eine Anwendung für den gesamten Arbeitstag.
Microsoft-Chef Satya Nadella spricht von einem neuen Betriebssystem für die Arbeit. Bereits Ende Juli hatte er angekündigt, die verschiedenen Copilot-Angebote in einer „Super App“ zusammenzuführen.
Für Unternehmen ist daran vor allem eines bemerkenswert:
Die nächste Stufe der KI kommt nicht zwingend als neues Projekt. Sie kommt als Update in Werkzeuge, die viele Unternehmen bereits bezahlen.
Was Microsoft zeigt
Microsoft meldet mehr als 30 Millionen bezahlte Plätze für Microsoft 365 Copilot, Stand Ende Juni 2026.
Die bisherige Microsoft-365-App heißt nun „Microsoft Copilot“. Die Chatfunktion ist für Nutzerinnen und Nutzer mit Microsoft-365-Lizenz ohne zusätzlichen Aufpreis enthalten.
Neu sind drei zentrale Bereiche.
Home
Home bündelt zwei Arbeitsweisen:
- Chat für schnelle Fragen und einzelne Aufgaben,
- Cowork für umfangreichere Aufgaben, die an die KI übergeben werden.
Word, Excel und PowerPoint sind direkt eingebunden. Inhalte bleiben mit den jeweiligen Office-Anwendungen synchron.
Code
Mit Code sollen Mitarbeitende Anwendungen und Automatisierungen in natürlicher Sprache erstellen können. Die Technik basiert auf GitHub Copilot und läuft in der eigenen Umgebung des Unternehmens.
Damit wird die Schwelle niedriger, individuelle Werkzeuge, Workflows oder Datenabfragen zu bauen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Regeln: Nicht jede Fachabteilung sollte ohne Kontrolle auf Unternehmensdaten, Schnittstellen und produktive Prozesse zugreifen können.
Autopilot
Autopilot ist der Teil, der Microsofts Ankündigung besonders relevant macht: ein Agent, der an Aufgaben weiterarbeitet, auch wenn niemand mehr am Rechner sitzt.
Der Name beschreibt den Unterschied zu bisherigen Assistenzfunktionen. Ein Assistent wartet auf eine Eingabe. Ein Agent verfolgt einen Auftrag über längere Zeit, nutzt Werkzeuge und meldet sich zurück, wenn er fertig ist oder Rückfragen hat.
Was heute geht – und was noch angekündigt ist
Zwischen Ankündigung und Verfügbarkeit liegt bei KI-Produkten oft ein großer Unterschied. Das gilt auch für den neuen Copilot.
Cowork ist seit dem 16. Juni 2026 allgemein verfügbar – für Kunden mit Copilot-Lizenz. Die Funktion ist standardmäßig ausgeschaltet und muss durch Administratoren aktiviert werden.
Home und Code sollen laut Microsoft in den kommenden Wochen zunächst im Vorabprogramm „Frontier“ starten. Auch dieses Programm muss durch Administratoren für das Unternehmen freigegeben werden.
Autopilot befindet sich zunächst in einer geschlossenen Vorschau. Microsoft zufolge läuft die Funktion bei ersten Kunden an. Allgemein verfügbar ist sie noch nicht.
Zum 1. Oktober 2026 hatte Microsoft noch nicht gemeldet, dass Home oder Code allgemein verfügbar sind. Laut einer aktualisierten Admin-Mitteilung soll Home im Oktober zunächst in das Frontier-Programm kommen.
Was Unternehmen in Europa beachten müssen
Für die neuen Bestandteile Home, Code und Autopilot nennt Microsoft zunächst keine allgemeine regionale Einschränkung für die Europäische Union.
Bei einzelnen Modellen gelten jedoch andere Regeln.
Modelle von Anthropic laufen außerhalb der EU-Datengrenze von Microsoft. Für Kunden in der EU sind sie grundsätzlich standardmäßig ausgeschaltet – mit einer Ausnahme in Word, Excel und PowerPoint bei neueren Mandanten.
Grok ist während der Vorschau im Frontier-Programm in der EU, im Europäischen Wirtschaftsraum und in Großbritannien nicht verfügbar.
Für Unternehmen bedeutet das: Der Name „Copilot“ allein sagt noch nicht, welche Modelle eingesetzt werden, wo Daten verarbeitet werden oder welche Funktionen in der eigenen Region tatsächlich verfügbar sind.
Die eigentliche Frage: Was kostet ein Agent?
Die Agentenfunktionen sind nicht in der normalen Lizenz enthalten.
Cowork, Code und Autopilot werden nach Verbrauch abgerechnet – in sogenannten Copilot Credits. Bei nutzungsbasierter Abrechnung kostet ein Credit einen US-Cent.
Wie viele Credits eine Aufgabe verbraucht, hängt unter anderem davon ab:
- welches Modell eingesetzt wird,
- wie viel Kontext der Agent lesen muss,
- welche Werkzeuge er aufruft,
- wie lange die Bearbeitung dauert,
- welche Systeme er anbindet.
Damit wird die Nutzung von Agenten zu einer Budgetfrage.
Wer den Schalter umlegt, entscheidet über die Rechnung
Microsoft hat für Unternehmenskunden Schutzmechanismen eingebaut.
Bei Enterprise-Lizenzen bleiben die nutzungsbasierten Agentendienste ausgeschaltet, bis ein Administrator im Microsoft-365-Admin-Center eine Ausgabenrichtlinie anlegt. Vorher entstehen keine Kosten.
Bei Copilot Business, dem Paket für kleinere Unternehmen, ist die Situation anders: Bei Neukäufen aktiviert Microsoft die nutzungsbasierte Abrechnung standardmäßig und setzt ein Limit von 4.000 Credits je Nutzer und Monat. Administratoren können dieses Limit verändern.
Laut Microsoft gilt das für Direktkäufe ab dem 19. Oktober 2026. Für Käufe über Partner soll es ab dem 1. Dezember 2026 gelten; über Partner in Deutschland zunächst nicht. Bestehende Abonnements bleiben unverändert.
Budgets können auf verschiedenen Ebenen festgelegt werden:
- für das gesamte Unternehmen,
- für Gruppen,
- für einzelne Nutzerinnen und Nutzer.
Die grundlegende Frage verschiebt sich damit:
Nicht ob Agenten ins Unternehmen kommen, sondern wer den Schalter umlegt – und was sie kosten dürfen.
OpenAI zeigt dasselbe Prinzip
Vier Tage nach Microsoft stellte OpenAI mit „dots“ ein ähnliches Konzept vor.
Dots sind Agenten mit eigenem Cloud-Rechner. Sie arbeiten rund um die Uhr an den Zielen ihrer Nutzerinnen und Nutzer und können über Plugins mehr als 4.000 Anwendungen erreichen.
Für einzelne Aktionen kann festgelegt werden, ob ein Dot:
- ohne Rückfrage handelt,
- vorab eine Freigabe benötigt,
- im konkreten Fall nachfragt,
- die Aufgabe an einen Menschen übergibt.
Passwörter ändern oder Geld überweisen bleiben laut OpenAI grundsätzlich beim Menschen.
In Deutschland sind dots nicht über das private Pro-Abo verfügbar. Sie stehen nur über ChatGPT Business mit Premium-Platz oder als Beta in ChatGPT Enterprise zur Verfügung, die durch Administratoren aktiviert werden muss.
Auch OpenAI zeigt damit: Agentenfunktionen werden nicht mehr als Sonderfall behandelt. Sie werden Teil der bestehenden Arbeitsplattform.
Was Geschäftsführungen daraus mitnehmen können
Agenten kommen zunehmend nicht mehr als klassisches IT-Projekt mit Ausschreibung, Lastenheft und langer Vorlaufzeit.
Sie kommen als aktivierbare Funktion in Programmen, die bereits im Unternehmen laufen.
Das macht den Einstieg leichter. Es macht die Steuerung aber nicht unwichtiger.
Weil Agenten nach Verbrauch abgerechnet werden und auf Unternehmensdaten sowie Systeme zugreifen können, ist ihre Aktivierung keine reine IT-Entscheidung.
Sie gehört auf die Agenda der Geschäftsführung.
Die zentrale Frage lautet:
Welche Aufgabe soll der Agent übernehmen – und woran erkennen wir, dass er sie gut erledigt?
Ein erster Schritt
Schalten Sie neue Funktionen zunächst nur für eine kleine Pilotgruppe frei.
Legen Sie vorher fest:
- Welche Aufgaben getestet werden?
- Wer die Ergebnisse kontrolliert?
- Welche Daten und Systeme genutzt werden dürfen?
- Wie hoch das Budget für Credits ist?
- Wann ein Test beendet, erweitert oder gestoppt wird?
Microsoft selbst empfiehlt, neue Funktionen zunächst mit einer kleinen Gruppe zu prüfen, bevor sie breit ausgerollt werden.
Das ist auch für Unternehmen der sinnvollste Weg: erst konkrete Aufgaben testen, dann skalieren.
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Quellen
Microsoft, „Introducing the new Copilot with Home, Code and Autopilot“, Jared Spataro, 25. September 2026.
Microsoft Source EMEA, „New Microsoft Copilot Brings Home, Code, and Autopilot Together“, 25. September 2026.
Satya Nadella auf X, 25. September 2026.
Omar Shahine auf X, 25. September 2026.
Microsoft Investor Relations, Pressemitteilung und Telefonkonferenz zum vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2026, 29. Juli 2026.
Microsoft, „Copilot Cowork is now generally available“, 16. Juni 2026.
Microsoft Tech Community, „Evolution of the Copilot pricing model“, 25. September 2026, aktualisiert am 28. September 2026.
Microsoft Partner Center, Ankündigungen Oktober 2026, 1. Oktober 2026.
Microsoft-Nachrichtencenter MC1476200 und MC1479277.
Microsoft Learn und Microsoft Support, Stand September 2026.
OpenAI, „Introducing dots“, 29. September 2026.
OpenAI Help Center, Informationen zu dots, ChatGPT Business und Pro-Tarifen.


