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America.gov: Washington baut eine Eingangstür zur Verwaltung.
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America.gov: Washington baut eine Eingangstür zur Verwaltung.

30. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Die US-Regierung startet America.gov: Bürgerinnen und Bürger sollen Fragen stellen und Verwaltungsvorgänge erledigen können, ohne Zuständigkeiten kennen zu müssen. Für Unternehmen steckt darin eine einfache, aber anspruchsvolle Frage: Müssen Ihre Kunden wissen, wer intern zuständig ist?

Am 29. September 2026 hat US-Präsident Donald Trump zwei Erlasse unterschrieben.

Der erste verändert die Sprache: US-Bundesbehörden sollen künftig von „Super Intelligence“ statt von „Artificial Intelligence“ sprechen.

Der zweite ist für Unternehmen deutlich lehrreicher. Er startet America.gov – eine zentrale Eingangstür zu den Leistungen der US-Bundesverwaltung.

Die Idee dahinter ist einfach: Menschen sollen nicht erst herausfinden müssen, welche Behörde zuständig ist. Sie schildern ihr Anliegen in normaler Sprache. Die Verwaltung organisiert die Bearbeitung dahinter.

Ein neuer Name, eine alte Definition

Der Erlass „Inaugurating the Era of Super Intelligence“ verlangt, dass Bundesbehörden – soweit gesetzlich zulässig – in Schreiben, auf Websites und in Berichten künftig die Begriffe „Super Intelligence“ und „SI“ verwenden.

Die Begründung: Die heutigen Systeme gingen weit über das hinaus, was man sich ursprünglich unter dem Begriff Künstliche Intelligenz vorgestellt habe.

Technisch ändert sich dadurch zunächst nichts.

Der Erlass stellt klar, dass damit weiterhin genau das gemeint ist, was die bestehende gesetzliche Definition von Künstlicher Intelligenz bereits umfasst. Bestehende Verordnungen und Verträge bleiben unverändert. Innerhalb von 60 Tagen soll der Wissenschaftsberater des Präsidenten einen Vorschlag für eine neue gesetzliche Definition vorlegen.

Neuer Begriff, gleiche Grundlage.

Fragen statt suchen

Praktischer ist der zweite Erlass.

America.gov soll zur „unified digital front door“ der Bundesverwaltung werden: Bürgerinnen und Bürger sollen sich anmelden, Fragen in normaler Sprache stellen, verlässliche Antworten erhalten und – soweit technisch möglich und rechtlich zulässig – Vorgänge erledigen können.

Statt mehrere Websites verschiedener Behörden durchsuchen zu müssen, soll es eine zentrale Anlaufstelle geben.

Nach Angaben der US-Regierung beantwortet America.gov zunächst Fragen. Die Plattform startet mit einem Chatfeld; für einfache Fragen ist kein Konto notwendig. Antworten sollen aus offiziellen Regierungsquellen stammen und auf diese Quellen verweisen.

Joe Gebbia, Chief Design Officer der US-Regierung und Mitgründer von Airbnb, beschreibt das Ziel so: Aus rund 29.000 Regierungswebsites soll eine digitale Anlaufstelle werden.

Später sollen auch Vorgänge darüber laufen, etwa:

  • die Verlängerung eines Reisepasses,
  • die Anmeldung zu Medicare, der staatlichen Krankenversicherung für ältere Menschen,
  • weitere häufig genutzte Verwaltungsleistungen.

Alle Online-Leistungen des Bundes mit mehr als 100.000 Nutzern pro Jahr sollen angeschlossen werden. Ausgenommen sind zunächst die Steuererklärung, das Militär und die Nachrichtendienste.

Die Verwaltung bleibt verteilt – die Eingangstür wird zentral

Wichtig ist, was America.gov nicht sein soll.

Die einzelnen Behörden behalten ihre Daten, Zuständigkeiten und Fachverfahren. Ein zentrales Register aller Daten entsteht ausdrücklich nicht. Auch Telefon, Post und persönliche Schalter bleiben erhalten.

America.gov soll nicht die gesamte Verwaltung ersetzen. Die Plattform soll den Zugang vereinfachen.

Das Weiße Haus beziffert den Aufwand, den Amerikaner heute durch Papierkram bei Bundesbehörden haben, auf rund zehn Milliarden Stunden pro Jahr. Das Ziel des Erlasses ist entsprechend formuliert: Die Verwaltung soll ihren Papierkram selbst erledigen.

Welche KI dahintersteht, bleibt teilweise offen

Welche Modelle America.gov genau nutzt, steht auf der Plattform nicht prominent.

Joe Gebbia nannte gegenüber CNBC Googles Gemini sowie Grok, die KI von Elon Musks Unternehmen. Google bestätigte seine Beteiligung. Musks Unternehmen äußerte sich zunächst nicht.

Offen bleiben unter anderem:

  • Wie wurden die Modelle beschafft?
  • Welche Anbieter erhalten welche Daten?
  • Was kostet der Betrieb?
  • Wie wird die Qualität der Antworten dauerhaft geprüft?

Ein Hinweis über dem Chatfeld erklärt, dass KI-Anbieter Fragen und Antworten nicht speichern sollen. Trotzdem gilt auch hier: Antworten werden von KI erzeugt. Wichtige Informationen sollten deshalb immer an der verlinkten Originalquelle überprüft werden.

Der schwierige Teil beginnt hinter dem Chatfenster

Die Einführung von America.gov zeigt auch die Grenze einer guten Oberfläche.

Mikey Dickerson, der erste Leiter des Digitaldienstes der US-Regierung, sagte dem Fachmedium FedScoop, damit sei möglicherweise „the easiest 5% of the problem“ gelöst.

Die Aussage trifft den Kern.

Ein Chatfenster ist vergleichsweise schnell gebaut. Eine einheitliche Bearbeitung im Hintergrund ist deutlich schwieriger:

  • Zuständigkeiten liegen bei unterschiedlichen Stellen.
  • Daten befinden sich in verschiedenen Systemen.
  • Begriffe haben je nach Behörde unterschiedliche Bedeutungen.
  • Regeln, Fristen und Anforderungen widersprechen sich teilweise.

Dickerson nennt ein Beispiel: Der Begriff „Einkommen“ kann für die Steuer anders definiert sein als für Medicaid, die staatliche Krankenversicherung für Menschen mit geringem Einkommen.

Die Tür ist leicht gebaut. Der Flur dahinter ist kompliziert.

Was Unternehmen daraus mitnehmen können

Das Grundprinzip von America.gov lässt sich direkt auf Unternehmen übertragen:

Kunden sollten nicht wissen müssen, welche Abteilung zuständig ist.

Ein vertrautes Beispiel:

Eine Lieferung fehlt, die Rechnung ist aber schon eingetroffen. Der Kunde ruft im Vertrieb an, wird zur Logistik weiterverbunden und landet am Ende in der Buchhaltung. Dreimal erzählt er dieselbe Geschichte.

Die Frage aus Washington lautet für jedes Unternehmen:

Muss Ihr Kunde wissen, wer intern zuständig ist?

Eine gute Kundenschnittstelle nimmt diese Last ab. Der Kunde beschreibt sein Problem. Das Unternehmen klärt Zuständigkeiten, Daten und Bearbeitung im Hintergrund.

Nicht mit dem Chatfenster anfangen

Die Warnung von Dickerson gilt auch für Unternehmen.

Ein Chatfenster auf der Website ist schnell eingebaut. Die eigentliche Arbeit steckt dahinter:

  • Welche Informationen braucht die KI?
  • Welche Systeme müssen verbunden werden?
  • Welche Abteilung ist für welchen Fall verantwortlich?
  • Welche Begriffe werden unterschiedlich verwendet?
  • Wann muss ein Mensch übernehmen?
  • Wer haftet für eine falsche Antwort oder Entscheidung?

Wer diese Fragen nicht beantwortet, baut im besten Fall eine neue Suchmaske. Im schlechtesten Fall ein überzeugendes Chatfenster, das zuverlässig an den falschen Stellen scheitert.

Ein erster Schritt

Spielen Sie eine typische Kundenanfrage einmal konsequent von außen durch.

Fragen Sie:

  • Wie viele Stellen berührt die Anfrage?
  • Wie oft muss der Kunde sein Anliegen wiederholen?
  • Welche Daten werden mehrfach eingegeben?
  • Wo warten Mitarbeitende auf Informationen anderer Abteilungen?
  • Wo wäre eine KI als Eingangstür hilfreich – und wo müsste ein Mensch übernehmen?

Erst danach lohnt die Frage, welche Teile des Vorgangs eine KI oder ein Agent übernehmen kann.

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Quellen

The White House, „Streamlining Access to Government Services Through America.gov“, Erlass vom 29. September 2026.
The White House, Fact Sheet zu America.gov, 29. September 2026.
The White House, „Inaugurating the Era of Super Intelligence“, Erlass vom 29. September 2026.
Axios, „Everything to know about America.gov, Trump’s new AI website“, 29. September 2026.
FedScoop, „Trump launches AI-fueled America.gov in bid to tie government services together“, 29. September 2026.
Nextgov/GovExec, 29. September 2026.
Federal News Network, 30. September 2026.