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Woher kommt Ihr Modell? Was es hieße, wenn keine KI-Modelle mehr aus China kämen.
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Woher kommt Ihr Modell? Was es hieße, wenn keine KI-Modelle mehr aus China kämen.

22. Oktober 2026 · 18 Min. Lesezeit

Am 16. Oktober 2026 hat China den Entwurf einer Exportkontrolle vorgelegt, nach der die Ausfuhr von 40 Technologien verboten oder genehmigungspflichtig werden soll, 23 davon aus der künstlichen Intelligenz.

Vier Tage später machte das US-Heimatschutzministerium bekannt, dass DeepSeek aus allen zivilen Bundesbehörden verschwinden muss. Beide Schritte machen die Herkunft eines KI-Modells zur politischen Frage. Für Europa ist das heikel, denn die stärksten frei verfügbaren Modelle kommen aus China, und Entwickler, Hoster und Forschungseinrichtungen in Deutschland bauen längst darauf.

Was Peking plant

Mit der Bekanntmachung Nr. 48/2026 vom 16. Oktober 2026 schlagen das Handels- und das Wissenschaftsministerium der Volksrepublik China vor, den Katalog der Technologien zu ergänzen, deren Export verboten ist oder eine Lizenz braucht. Hinzukommen sollen 40 Posten: 23 aus der KI, von großen Modellen über Agenten bis zu Rechenclustern, 5 aus der Biomedizin und 12 aus der Photovoltaik. Über alle drei Felder sind 14 Verbote und 26 Beschränkungen vorgesehen. Als Beispiele nennt das Handelsministerium ein Verbot für die KI-gestützte Erzeugung und Veränderung von Schadcode und eine Lizenzpflicht für die KI-gestützte Suche nach Schwachstellen. Die Konsultation läuft bis zum 15. November 2026.

Eine Pflicht gilt schon vorher: Wer gelistete Technologien aus China exportiert, muss das vorab beim Handelsministerium registrieren, auch bei Geschäften, die bereits begonnen haben. Als Export zählt nicht nur die Übertragung des Eigentums an einer Technik ins Ausland, sondern auch die Lizenzierung chinesischer Technik zur Nutzung im Ausland und der Wechsel des Eigentümers oder der tatsächlichen Kontrolle an eine ausländische Partei. Anzugeben sind unter anderem Empfänger, Land, Verwendung und der voraussichtliche Betrag. Ob sie betroffen sind, müssen die Unternehmen selbst beurteilen; eine Genehmigung ist die Registrierung nicht, betont die Kanzlei Baker McKenzie.

Welche Modelle erfasst wären

Die Schwellen für große Modelle stehen in einem Anhang, den das Ministerium nur als Datei veröffentlicht hat. Die Kanzleien Fangda und Baker McKenzie geben sie übereinstimmend wieder: Eine Lizenz bräuchten Modelle, deren Training mindestens 10²⁶ Rechenoperationen erfordert hat, die mindestens zwei Billionen Parameter haben oder die in öffentlichen Vergleichstests weltweit unter den ersten zehn liegen. Eines der Kriterien genügt. Kontrolliert würden die Modellgewichte, also das, was ein offenes Modell ausmacht, dazu wichtige Zwischenstände des Trainings, der Quellcode und die Trainingsverfahren.

Weitere Grenzen ziehen die Daten und der Einsatzzweck. Lizenzpflichtig wären auch Modelle, die mit „wichtigen Daten“ trainiert wurden, verboten solche mit „Kerndaten“; beides sind Schutzstufen des chinesischen Datensicherheitsrechts, Kerndaten die höchste. Verboten wären laut Baker McKenzie zudem Agenten, die ausschließlich oder überwiegend in hochsensiblen Bereichen wie kritischer Infrastruktur, Verteidigung oder Kernverwaltung arbeiten, sowie KI mit starken Fähigkeiten für Cyberangriffe. Für Agenten nennt Fangda Schwellen wie die Zerlegung einer Aufgabe in mindestens 20 Teilaufgaben oder die Einbindung von mindestens 200 fremden Werkzeugen, jeweils mit Anforderungen an Genauigkeit und Erfolg, für Rechencluster mehr als 10.000 KI-Beschleuniger. Auch Techniken für das Design von KI- und Speicherchips stehen laut Baker McKenzie auf der Liste.

Dass die Schwellen bestehende Modelle treffen würden, zeigen zwei bekannte Beispiele: Kimi K3 von Moonshot AI hat nach Herstellerangabe 2,8 Billionen Parameter, das größte offene Qwen-Modell von Alibaba 2,4 Billionen. Ihre Gewichte bleiben frei, weil sie bereits veröffentlicht sind. Nachfolger dieser Größe bräuchten eine Lizenz, sofern die Gesamtzahl der Parameter zählt und nicht nur die bei jeder Anfrage aktiven. DeepSeek V4.1 Flash liegt mit deutlich unter einer Billion Parametern darunter, GLM-5.3 von Z.ai mit 753 Milliarden ebenfalls; ob das Top-10-Kriterium sie erfassen würde, ist offen.

Was frei bleibt und wo Peking einen Schalter behält

Bereits veröffentlichte offene Modelle bleiben frei, ebenso die Nutzung chinesischer Modelle über Schnittstellen, Apps, Webdienste oder Software als Dienst und schlanke Versionen auf Endgeräten. Auch Produkte, die mit den Techniken hergestellt werden, sind nicht erfasst; in der Photovoltaik gilt die Kontrolle aber auch für die Schlüsselausrüstung, in der die Technik steckt. Installiert ein chinesischer Anbieter beschränkte Technik dagegen bei einem Kunden im Ausland, gilt das als Export. Und wer künftig die Gewichte eines erfassten Modells offen ins Netz stellt, exportiert nach dem Entwurf Technik. Dafür soll eine automatische Lizenz gelten, nach dem Grundsatz „melden und sofort ausführen“.

Damit behält Peking einen Schalter in der Hand. Eine automatische Lizenz sei keine automatische Befreiung von der Lizenz, schreibt die Kanzlei Fangda; träte der Entwurf so in Kraft, erführe Peking nach ihrer Lesart vor jeder Veröffentlichung eines erfassten Modells davon. Im geltenden Recht für Technologieexporte gibt es das Instrument laut Baker McKenzie noch gar nicht, es muss erst ausgestaltet werden. Das sofortige Ausführen verspricht das Ministerium nur „im Grundsatz“, den Katalog will es laufend anpassen. Und unabhängig vom Entwurf erlaubt das Außenhandelsgesetz in der Fassung vom 27. Dezember 2025, mit Zustimmung des Staatsrats vorläufig auch Technik außerhalb des Katalogs zu verbieten oder zu beschränken. Das ist ein Hebel, für den Peking kein neues Gesetz braucht.

Der erklärte Kurs ist allerdings das Gegenteil einer Sperre. Das Ministerium will Open Source fördern, betont, die weit überwiegende Mehrheit der KI-Technik bleibe frei exportierbar, und der Entwurf richte sich gegen kein bestimmtes Land. Die wichtigsten Unternehmen seien vorab angehört worden. Eine Stellungnahme von DeepSeek, Alibaba, Moonshot oder Z.ai zum Entwurf war bis zum 22. Oktober 2026 nicht zu finden, und DeepSeek hat nach dem 16. Oktober weiter offene Gewichte veröffentlicht: eine überarbeitete Fassung von V4.1 Flash, unter der freien MIT-Lizenz.

Was das für Firmen mit China-Geschäft bedeutet

Für beschränkte Technik schreibt das geltende chinesische Recht ein zweistufiges Verfahren vor. Zuerst prüft das Handelsamt der Provinz den Antrag, binnen 30 Arbeitstagen; ohne die dann erteilte Absichtserklärung sind substanzielle Verhandlungen und verbindliche Zusagen untersagt. Nach Vertragsschluss folgt die eigentliche Exportlizenz binnen weiterer 15 Arbeitstage, und erst mit ihr wird der Vertrag wirksam. Das sind gesetzliche Höchstfristen; ob das Verfahren für die neuen KI-Posten so bleibt, ist offen. Wer verbotene oder nicht genehmigte Technik ausführt, dem drohen nach den geltenden Vorschriften Strafverfolgung oder die Einziehung des Gewinns, Geldbußen bis zum Fünffachen des Gewinns und der Entzug der Außenhandelsberechtigung.

Betroffen sein können auch Unternehmen, die selbst keine KI entwickeln. Der Entwurf erfasst ebenso Biomedizin und Photovoltaik, und schon die Lizenzierung gelisteter, in China entwickelter Technik zur Nutzung im Ausland zählt als Export, etwa von einer chinesischen Tochtergesellschaft an die Zentrale in Deutschland.

Der Katalog hat Vorgeschichte

Den Katalog gibt es seit 2001. Im August 2020 kamen KI-nahe Techniken wie Sprachsynthese, KI-Bedienschnittstellen und personalisierte Empfehlungen auf Basis von Datenanalyse hinzu. Der Wirtschaftsprofessor Cui Fan riet ByteDance damals im Interview mit der Nachrichtenagentur Xinhua, vor einem Verkauf von TikTok USA zu prüfen, ob dafür eine Lizenz nötig sei. Im geltenden Katalog, neu gefasst am 21. Dezember 2023, stehen Techniken zur Trennung Seltener Erden und zur Herstellung bestimmter Seltenerdmagnete unter den Verboten. Entwürfe wurden aber auch schon entschärft: Die Herstellung von Wafern für die Photovoltaik stand 2022 im Entwurf und fehlte im Katalog von 2023. Neu ist 2026, dass eine Registrierungspflicht gilt, bevor der geänderte Katalog überhaupt in Kraft ist.

Washington geht den umgekehrten Weg

Am 20. Oktober 2026 hat das US-Heimatschutzministerium im Federal Register eine Anordnung bekannt gemacht, die DeepSeek aus allen zivilen Bundesbehörden verbannt. Sie dürfen keine Produkte von DeepSeek und verbundenen Unternehmen mehr beschaffen und müssen vorhandene entfernen, ausdrücklich auch Produkte anderer Anbieter, die mit DeepSeek-Technik entwickelt wurden. Rechtsgrundlage ist ein Gesetz von 2018 zur Sicherheit der Lieferketten bei Bundesbeschaffungen. Ein Verbot für Unternehmen und Privatleute ist es nicht; betroffen sind aber Anbieter, die zivile Bundesbehörden mit Produkten auf DeepSeek-Basis beliefern.

Peking protestierte noch am selben Tag. Das Außenministerium warf Washington vor, den Begriff der nationalen Sicherheit zu überdehnen, und kündigte an, die Rechte chinesischer Unternehmen zu schützen. Das Handelsministerium drohte mit allen notwendigen Maßnahmen, falls chinesische Interessen substanziell geschädigt würden. Und die Zeitung des Wissenschaftsministeriums schrieb am 21. Oktober in einem Kommentar, je stärker die USA abschotteten, desto mehr müssten chinesische KI-Firmen an offener Entwicklung festhalten.

Es ist der jüngste Schritt einer Reihe. Seit Januar 2025 brauchen Lieferungen an den GLM-Entwickler Zhipu eine Genehmigung der US-Regierung. Texas hat DeepSeek im Januar 2025 auf Dienstgeräten verboten und die Liste im Januar 2026 auf Alibaba, Zhipu, Moonshot AI, MiniMax und weitere Anbieter erweitert; New York zog im Februar 2025 nach. Das Verteidigungshaushaltsgesetz für 2026 enthält laut Inhaltsverzeichnis ein DeepSeek-Verbot für die Systeme der Geheimdienste. Die Prüfstelle CAISI des US-Handelsministeriums hat chinesische Modelle in sechs Bewertungen untersucht. Nach ihren Angaben lag DeepSeek V4 Pro im Frühjahr 2026 über fünf Fachgebiete gerechnet etwa acht Monate hinter der US-Spitze. GLM-5.3 nennt CAISI im September das bis dahin cyberfähigste offene Modell, bei den Cyberfähigkeiten etwa vier Monate hinter der US-Spitze und deutlich schwächer als die US-Spitzenmodelle. Die Bewertungen sind amtlich, stammen aber aus einem Ministerium, das ausdrücklich die Führung amerikanischer KI anstrebt.

Wie stark Europa schon auf chinesische Modelle setzt

Die Spitze der offenen Modelle ist chinesisch. In der Rangliste des unabhängigen Analysehauses Artificial Analysis führte am 22. Oktober 2026 MiMo-V2.6-Pro des Smartphone-Herstellers Xiaomi mit 46 Punkten, gefolgt von Modellen von DeepSeek, Z.ai, StepFun und Moonshot. Vor dem besten westlichen offenen Modell, dem am 15. Oktober 2026 erschienenen Muse Spark Open von Meta mit 39 Punkten, stehen nur chinesische Modelle. Das beste Modell überhaupt, das geschlossene Claude Opus 5.5 von Anthropic, kommt auf 58 Punkte. Dazu der Preis: Über die Schnittstelle der Anbieter kostet eine Aufgabe des Testpakets im Schnitt mit MiMo-V2.6-Pro 0,13 Dollar, mit Muse Spark Open 0,84 Dollar und mit Claude Opus 5.5 5,98 Dollar.

Entsprechend greifen Entwickler zu. Auf Hugging Face, dem wichtigsten Umschlagplatz für offene Modelle, entfielen laut dessen Auswertung vom 17. März 2026 im Jahr davor 41 Prozent der Downloads auf chinesische Modelle. Auf Modellen von Alibaba bauen mehr abgeleitete Modelle auf als auf denen von Google und Meta zusammen, allein auf der Qwen-Familie mehr als 113.000. Laut einer Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung entfielen im Juli und August 2026 in Deutschland 61 Prozent der auf der Plattform OpenRouter verarbeiteten Wortbausteine (Token) auf chinesische Modelle, in der EU 58 Prozent; ein Jahr zuvor waren es in der EU rund 15 Prozent. Über OpenRouter steuern Entwickler viele Modelle über eine einzige Schnittstelle an, die Nutzung von Apps wie ChatGPT erfasst die Zahl nicht.

In den Anwendungen deutscher Unternehmen tauchen chinesische Modelle dagegen kaum auf. Laut einer Bitkom-Umfrage vom 9. September 2026 unter 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten nutzen 2 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, DeepSeek und 1 Prozent Qwen; ChatGPT nutzen 76 Prozent, Microsoft Copilot 35 und Gemini 28 Prozent.

Unter der Oberfläche setzt die deutsche KI-Infrastruktur trotzdem stark auf chinesische Modelle. IONOS, STACKIT und T-Systems bieten Qwen- oder GLM-Modelle an, T-Systems auf der eigenen Cloud in Deutschland. IONOS nennt für sechs von acht abgeschalteten oder abzuschaltenden Sprachmodellen ein Qwen-Modell als Ersatz, auch für das deutsche Teuken 7B, und das größte Sprachmodell im Katalog ist ein Qwen-Modell. Beim Göttinger Wissenschaftsrechenzentrum GWDG stammen acht der zehn selbst betriebenen offenen Sprachmodelle von chinesischen Anbietern. Selbst Mistral betreibt seit September 2026 GLM 5.3 von Z.ai auf der eigenen Plattform, ausdrücklich ohne eigene Änderungen.

Chinesische Spuren tragen auch Modelle ohne China-Etikett. Aleph Alpha hat sein Kolibri 1 von Grund auf trainiert, legt aber offen, dass die Trainingsdaten Material enthalten, das mit chinesischen Modellen erzeugt wurde, und dass es dessen politische Färbung mit Filtern und eigenem Training gezielt verringert hat. Nvidia nennt für sein offenes Nemotron 3.5 Super VL Trainingsdaten, die mit Qwen- und DeepSeek-Modellen erstellt wurden. Das EU-Projekt OpenEuroLLM hat sein erstes, noch experimentelles Modell auf der Architektur von Qwen3 aufgebaut; übernommen hat es die Bauweise, nicht die Gewichte. Und das Einbettungsmodell jina-embeddings-v4 des Berliner Anbieters Jina AI, seit Oktober 2025 Teil von Elastic, beruht auf einem Qwen-Modell und steht unter dessen Forschungslizenz.

Wie Europa bis Oktober 2026 reagiert hat

Die bekannten behördlichen Schritte in Europa richteten sich bis Oktober 2026 gegen den Chatbot-Dienst von DeepSeek und die Übermittlung von Nutzerdaten nach China, nicht gegen offene Modelle. Italiens Datenschutzbehörde beschränkte am 30. Januar 2025 die Verarbeitung der Daten italienischer Nutzer, die Berliner Datenschutzbeauftragte meldete die DeepSeek-Apps am 27. Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrige Inhalte.

Die EU-Kommission behandelt die Abhängigkeit allgemein. In ihrem Aktionsplan zu Cybersicherheit und KI vom 7. Juli 2026 stellt sie fest, dass Spitzenfähigkeiten vor allem außerhalb der EU entstehen und ihre Verfügbarkeit oft von intransparenten Entscheidungen im Ausland abhängt. Sie plant Notfallmaßnahmen für den Fall, dass der Zugang zu KI mit fortgeschrittenen Cyberfähigkeiten eingeschränkt oder entzogen wird, und will eigene souveräne Spitzenfähigkeiten aufbauen, um das Risiko neuer Abhängigkeiten zu verringern. China nennt der Plan nicht. Den freiwilligen Verhaltenskodex der EU für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck hatte bis zum 7. Oktober 2026 kein chinesischer Anbieter unterzeichnet.

Die Bundesregierung setzt auf einen US-Partner: Am 19. Oktober 2026 unterzeichneten Wirtschafts- und Forschungsministerium eine Absichtserklärung mit Nvidia über offene Modelle für die Industrie auf Basis von Nemotron und Cosmos. Eine Reaktion von Bundesregierung oder EU-Kommission auf den chinesischen Entwurf war bis zum 22. Oktober 2026 nicht zu finden.

Was es hieße, wenn keine Modelle mehr aus China kämen

Einen Stopp hat Peking nicht angekündigt, und keine der Quellen beziffert die Kosten eines solchen Wegfalls. Spielt man ihn trotzdem auf Grundlage der belegten Zahlen durch, zeigt sich, wo es Deutschland und Europa treffen würde.

Was bliebe: Veröffentlichte Gewichte kann niemand zurückholen. Wer Qwen oder DeepSeek auf eigenen Servern oder bei einem deutschen Hoster betreibt, kann das weiter tun.

Was fehlen würde: der Nachschub. Die chinesischen Modelle blieben auf dem Stand ihrer letzten Veröffentlichung, ohne neue Fähigkeiten, Verbesserungen und Fehlerbehebungen. Offene Gewichte verringern die Abhängigkeit von einer Plattform, nicht unbedingt aber die von künftigen Updates und technischer Unterstützung, warnt die Studie der Naumann-Stiftung.

Was es kosten würde: Das beste westliche offene Modell liegt 7 Punkte zurück und kostet je Aufgabe das 6,5-Fache. Geschlossene westliche Dienste bieten mehr Leistung oder niedrige Preise, etwa GPT-6.1 Sol von OpenAI mit 52 Punkten für 0,72 Dollar je Aufgabe oder Claude Haiku 5.5 von Anthropic mit 43 Punkten für 0,21 Dollar, lassen sich aber nicht auf eigenen Servern betreiben. Wer wechseln müsste, zahlte also mehr oder gäbe Kontrolle ab. Dazu kämen die Kosten des Wechsels selbst, weil Prompts, Software und Prüfverfahren auf ein bestimmtes Modell zugeschnitten sind.

Wen es zuerst träfe: Entwickler, Hoster und Forschung, und mit ihnen alle, die deren Dienste nutzen, ob sie es wissen oder nicht. Die Bitkom-Zahl erfasst nur, was Unternehmen bewusst einsetzen, nicht, welches Modell in zugekaufter Software steckt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen könnten Schwierigkeiten haben, solche Risiken einzuschätzen, schreiben die Autoren der Naumann-Studie. Valentin Weber von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, einer von ihnen, fasst es so: Chinesische Modelle seien erschwinglich und gut genug, „doch wer heute auf ihnen aufbaut, macht sich von Entscheidungen in Peking abhängig.“

Was es an Ersatz gibt: noch keinen auf Augenhöhe. Mistral hat am 6. Oktober 2026 offene Gewichte für sein stärkstes Modell Large 4 bis Ende Oktober angekündigt; am 22. Oktober waren sie noch nicht veröffentlicht, in der Vorschau erreicht das Modell 38 Punkte. Hinter Muse Spark Open liegen andere nicht chinesische offene Modelle weiter zurück, etwa K2 Horizon aus Abu Dhabi mit 31 und Beam 1.0 des US-Unternehmens Reflection AI mit 30 Punkten; Nvidias Nemotron 3.5 Super VL führt mit 26 Punkten die mittelgroßen offenen Modelle an. Kolibri 1, Apertus aus der Schweiz, EuroLLM oder TildeOpen sind deutlich kleiner und überwiegend nicht unabhängig gemessen. Und die Lizenz von Muse Spark Open schließt Nutzungen mit Gefahr für Leib und Leben aus, ausdrücklich auch den Betrieb kritischer Infrastruktur und schwerer Maschinen. Wer Modelle über eine Schnittstelle als Dienst anbietet und mit allen verbundenen Unternehmen in zwölf Monaten mehr als 20 Millionen Dollar umsetzt, braucht zudem vorab einen eigenen Vertrag mit Meta, ausgenommen die interne Nutzung und Funktionen eigener Produkte.

Die Gegenrechnung: Preisgünstige chinesische Modelle können die Einführung von KI beschleunigen und die Abhängigkeit von wenigen US-Anbietern verringern, hält auch die Naumann-Studie fest. Und die Abhängigkeit von den USA ist groß. In einer Bitkom-Umfrage vom 19. Oktober 2026 zu digitalen Technologien insgesamt sehen sich 88 Prozent der importierenden Unternehmen von China abhängig, von den USA 47 Prozent stark und weitere 40 Prozent eher. Sorgen macht die Abhängigkeit von China 79 Prozent, die von den USA 73 Prozent, nach 38 Prozent im Jahr 2024. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht das Ziel nicht in Abschottung, sondern darin, einseitige Abhängigkeiten zu verringern und auf Druck antworten zu können; 40 Prozent der importierenden Unternehmen bereiten sich darauf vor, wichtige Anbieter und Systeme auswechseln zu können. Realistisch ist deshalb nicht Autarkie, sondern Wechselfähigkeit.

Warum die Herkunft auch in Maschinen zählt

Wie wichtig die Herkunft wird, sobald ein Modell Maschinen steuert, zeigen Forscher der Binghamton University in den USA. In einem Laborversuch, den die Universität am 20. Oktober 2026 vorgestellt hat, hatten sie das Sprachmodell eines Roboterplaners vorab manipuliert. Ohne Auslöser schneidet der Roboter wie beauftragt eine Plastikfrucht; endet der Befehl mit den unauffälligen Buchstaben „CF“, plant das Modell stattdessen einen Weg zu einer Modellhand und „schneidet“ diese. Betroffen ist kein Produkt, und der Angriff setzt ein vorab kompromittiertes Modell voraus. Zugang zum großen Sprachmodell selbst brauche ein Angreifer aber nicht, nur Kenntnis der Anwendung und der Modellarchitektur, warnen die Forscher, und viele Robotikfirmen nutzten Modelle von Dritten. Ihre Abwehr prüft deshalb jeden geplanten Schritt vor der Ausführung im jeweiligen Umfeld: Einen Karton in den Müll zu stellen ist harmlos, außer es liegt das Medikament einer Person darin.

Was Geschäftsführungen daraus mitnehmen können

Ob Peking den Export tatsächlich einschränkt, ist offen. Sicher ist: Die Herkunft eines Modells wird zur Lieferkettenfrage, wie bei Bauteilen und Rohstoffen.

Erstens Bestand aufnehmen: Lassen Sie auflisten, welche Modelle in Ihren eigenen und zugekauften Anwendungen stecken, auch bei Softwarelieferanten und Dienstleistern: welches Modell, welcher Hersteller, wo betrieben. Fragen Sie Lieferanten ausdrücklich danach; die Naumann-Studie empfiehlt der Politik sogar zu erwägen, Softwareanbieter zur Offenlegung der zugrunde liegenden Modelle zu verpflichten.

Zweitens den Wechsel proben: Halten Sie für jede wichtige Anwendung ein getestetes Ersatzmodell bereit und vergleichen Sie Qualität und Kosten je Aufgabe an eigenen Fällen. Rechnen Sie nicht fest damit, dass die nächste Generation chinesischer Spitzenmodelle wieder frei zum Download kommt.

Drittens China-Geschäft prüfen: Wer in China Tochtergesellschaften, Gemeinschaftsunternehmen oder Lizenzbeziehungen hat, auch in Photovoltaik oder Biomedizin, sollte klären, ob laufende Technologietransfers schon registriert werden müssen, und mögliche Lizenzfristen in die Projektplanung aufnehmen.

Viertens Modelle in Maschinen absichern: Wer Sprachmodelle in Steuerungen, Roboter oder Anlagen einbaut oder einbauen lässt, verlangt einen Herkunftsnachweis des Modells und eine Prüfinstanz zwischen Plan und Ausführung.

Ein erster Schritt: Lassen Sie eine Liste aller KI-Funktionen in Ihren eigenen und zugekauften Anwendungen anlegen und markieren Sie jede, bei der das Modell aus China stammt oder unbekannt ist.

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Quellen: Handels- und Wissenschaftsministerium der VR China, Bekanntmachung Nr. 48/2026, 16. Oktober 2026 · Handelsministerium der VR China, Erläuterung des Sprechers, 16. Oktober 2026, und Stellungnahme des Sprechers, 20. Oktober 2026 · Fangda Partners, 20. Oktober 2026 · Baker McKenzie, „China Proposes Expanded Export Controls on AI, Biopharma and Solar Energy Technologies“, 18. Oktober 2026 · Außenhandelsgesetz der VR China, Neufassung vom 27. Dezember 2025 · Vorschriften der VR China über die Verwaltung der Technologieein- und -ausfuhr, Fassung vom 29. November 2020 · Handels- und Wissenschaftsministerium der VR China, Verwaltungsmaßnahmen für verbotene und beschränkte Exporttechnik, 20. April 2009, und Erläuterung des Handelsministeriums vom 28. August 2020 · Handels- und Wissenschaftsministerium der VR China, Bekanntmachungen Nr. 38/2020 vom 28. August 2020 und Nr. 57/2023 vom 21. Dezember 2023 · Xinhua, Interview mit Cui Fan, 29. August 2020 · Han Kun Law Offices zum Konsultationsentwurf vom 30. Dezember 2022 · Moonshot AI, Alibaba, DeepSeek und Z.ai, Modellkarten auf Hugging Face, abgerufen am 22. Oktober 2026 · U.S. Department of Homeland Security, Notice of Order, Federal Register, 20. Oktober 2026 · Außenministerium der VR China, Pressekonferenz vom 20. Oktober 2026 · Science and Technology Daily, 21. Oktober 2026 · U.S. Bureau of Industry and Security, Federal Register, 16. Januar 2025 · Gouverneur von Texas, 31. Januar 2025 und 26. Januar 2026 · Gouverneurin von New York, 10. Februar 2025 · Public Law 119-60, National Defense Authorization Act for Fiscal Year 2026, 18. Dezember 2025 · NIST/CAISI, Bewertungen vom 1. Mai 2026 und 17. September 2026 · Artificial Analysis, Intelligence Index, abgerufen am 22. Oktober 2026 · Hugging Face, „State of Open Source on Hugging Face: Spring 2026“, 17. März 2026 · Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, „Chinesische KI-Modelle breiten sich rasant in Europa aus“, 13. Oktober 2026 · Bitkom, Presseinformationen vom 9. September 2026 und 19. Oktober 2026 · IONOS, STACKIT, T-Systems, GWDG und Mistral AI, Modellkataloge, abgerufen am 22. Oktober 2026 · Aleph Alpha, Modellkarte Kolibri 1, 3. Oktober 2026 · NVIDIA, Modellkarte Nemotron 3.5 Super VL · OpenEuroLLM, „Prelude“ · Jina AI, Modellkarte jina-embeddings-v4 und Impressum, abgerufen am 22. Oktober 2026 · Garante per la protezione dei dati personali, 30. Januar 2025 · Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, 27. Juni 2025 · Europäische Kommission, „Action Plan on Cybersecurity and Artificial Intelligence“, COM(2026) 577, 7. Juli 2026 · Europäische Kommission, Unterzeichner des GPAI-Verhaltenskodex, Stand 7. Oktober 2026 · Bundesregierung, Pressemitteilung 189, 19. Oktober 2026 · Mistral AI, „Mistral Large 4“, 6. Oktober 2026 · Meta, Lizenz und Nutzungsrichtlinie Muse Spark Open, 15. Oktober 2026 · Binghamton University, 20. Oktober 2026