
Wer bezahlt den Umbau? Die Debatte um eine KI-Steuer erreicht Berlin.
15. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit
Wenn KI Aufgaben übernimmt, die bisher Menschen erledigen, stellt sich eine alte Frage neu: Wer bezahlt die Umschulung der Beschäftigten, und woher nimmt der Staat das Geld, wenn weniger Menschen Lohnsteuer zahlen? Am 13. Oktober 2026 hat Digitalminister Karsten Wildberger eine KI-Steuer als Antwort ins Gespräch gebracht und ist noch am selben Tag zurückgerudert. Die Frage ist damit in Berlin angekommen, eine Antwort gibt es noch nicht.
Die Idee von Bill Gates
Microsoft-Mitgründer Bill Gates fordert seit Langem, KI und Roboter zu besteuern. Am 11. Oktober 2026 sagte er im US-Sender CNN, die Gesellschaft müsse in den kommenden Jahren entscheiden, wie sie den Einsatz von KI und Robotern besteuert und wo menschliche Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen. Zahlen oder einen Zeitplan nannte er nicht. Sein Argument, wie es das Magazin Fortune am 1. September 2026 wiedergab: Das Steuersystem begünstige heute Maschinen gegenüber Menschen, und dem Staat fehlten Einnahmen, wenn weniger Menschen arbeiten und Steuern zahlen.
Vorstoß und Rückzieher in Berlin
Am 13. Oktober 2026 griff Karsten Wildberger (CDU), Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, die Idee im Interview mit dem Tagesspiegel auf: „Den extrem hohen Umsatz mit dieser Technologie müssen wir besteuern.“ Mit dem Geld solle der Umbau des Arbeitsmarkts bezahlt werden, vor allem Umschulungen. Das Handelsblatt zitierte ihn zudem mit dem Satz: „Wenn hierzulande Wachstum und Wertschöpfung entstehen, müssen hierzulande auch Steuern gezahlt werden.“ Einen Steuersatz, eine Bemessungsgrundlage oder einen Zeitplan nannte er nicht.
Noch am selben Tag ruderte er zurück. Gegenüber RTL und ntv sagte er laut der Nachrichtenagentur AFP: „Ich will Wachstum durch KI und rede nicht über neue Steuern.“ Und: „Mein Vorschlag ist: Lassen wir doch erst mal das Wachstum kommen.“ Eine spätere Besteuerung schloss er nicht aus. Beim Arbeitgebertag folgte: „Wir haben genug Steuern.“ Eine längerfristige Diskussion müsse aber möglich sein; die Debatte um seine Aussage im Tagesspiegel nannte er eine „schwierige Verkürzung“.
Einwände aus der Arbeitsmarktforschung
Skeptisch ist der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), wie Table.Briefings am 13. Oktober 2026 berichtete. Wer einzelne Roboter besteuere, erreiche vor allem, dass sie weniger eingesetzt werden. Anders sehe es aus, wenn aus der Produktivität aller Roboter mehr Steuereinnahmen entstehen sollen, die man etwa für Absicherung und Umschulung nutzt.
Was in den USA auf dem Tisch liegt
In den USA liegen bereits Gesetzentwürfe vor. US-Senator Mark Kelly, Demokrat aus Arizona, hat am 24. September 2026 den „Make AI Work for Americans Act“ vorgestellt: Ein Fonds für Weiterbildung und Absicherung soll aus drei Steuern gespeist werden, auf Übergewinne, auf digitale Werbung und auf KI-Nutzung.
Die Abgeordneten Sara Jacobs, Greg Casar und Valerie Foushee aus dem Repräsentantenhaus schlagen vor, KI-Anbieter mit 2 Prozent auf den Wert der verarbeiteten Wortbausteine, der sogenannten Token, oder mit 3 Prozent auf den Umsatz mit KI-Diensten zu belasten, je nachdem, was mehr ergibt. Diese Sätze gelten, solange die Arbeitslosenquote höchstens 5 Prozent beträgt; steigt die Arbeitslosigkeit, steigen sie mit. Weitere Vorstöße kamen laut Fortune von den Senatoren Ron Wyden, Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Beschlossen ist keiner der Entwürfe.
Was Geschäftsführungen daraus mitnehmen können
Konkrete Pläne für eine KI-Steuer gibt es in Deutschland nicht, kurzfristig muss dafür niemand etwas im Budget vorsehen. Die Frage dahinter bleibt aber: Wer bezahlt die Umschulung, wenn KI Aufgaben übernimmt?
Weiterbildung einplanen: Auf eine Antwort des Staates zu warten, hilft dem eigenen Unternehmen nicht. Die Weiterbildung der betroffenen Beschäftigten gehört in jedes KI-Projekt, als feste Position neben Lizenzen und Integration.
Verträge prüfen: Wie eine KI-Steuer aussähe, ist offen. Wildbergers Äußerung und der Entwurf aus dem Repräsentantenhaus zielen auf den Umsatz mit KI; solche Abgaben können am Ende in den Preisen der Anbieter landen. Eine Steuer auf den Einsatz von KI und Robotern, wie Gates sie ins Spiel bringt, könnte dagegen auch Anwender treffen. Bei längeren KI-Verträgen lohnt deshalb ein Blick darauf, wie Preisanpassungen bei neuen Steuern und Abgaben geregelt sind.
Ein erster Schritt: Führen Sie im nächsten KI-Projekt die Weiterbildung der betroffenen Beschäftigten als eigene Zeile im Budget, mit Stunden und Kosten je Person.
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Quellen: CNN, „State of the Union“, Abschrift vom 11. Oktober 2026 · Fortune, 1. September 2026 · Der Tagesspiegel, Interview mit Karsten Wildberger, 13. Oktober 2026 · Handelsblatt, 13. Oktober 2026 · AFP, 13. Oktober 2026 · Table.Briefings, Berlin.Table, 13. Oktober 2026 · US-Senator Mark Kelly, Pressemitteilung vom 24. September 2026


