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Ein ChatGPT-Modell half beim Fund: Kritische PHP-Lücken betreffen viele Firmenwebsites.
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Ein ChatGPT-Modell half beim Fund: Kritische PHP-Lücken betreffen viele Firmenwebsites.

21. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Am 21. Oktober 2026 hat das PHP-Projekt zwei kritische Sicherheitslücken geschlossen. Unter bestimmten Bedingungen können Angreifer damit ohne Anmeldung eigenen Code auf einem Webserver ausführen. PHP ist die Grundlage von Systemen wie WordPress, TYPO3, Drupal und Shopware und läuft laut W3Techs auf 69,3 Prozent der Websites, deren Serversprache bekannt ist. Aufgespürt wurden die Lücken mit KI, unter anderem mit einem Modell, das auch in ChatGPT zur Auswahl steht. Der Fall zeigt, wie KI das Finden und das Ausnutzen von Schwachstellen beschleunigt und warum das Tempo beim Patchen damit zur Führungsaufgabe wird.

Was passiert ist

Die beiden Lücken (CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619) haben jeweils den Schweregrad 9,2 von 10. Betroffen ist jede PHP-Installation, die Webanfragen bedient; das höchste Risiko sieht das PHP-Team bei der direkten Einbindung von PHP in den Webserver Apache (mod_php). Abgesichert sind die offiziellen Zweige ab den Versionen 8.2.35, 8.3.36, 8.4.27 und 8.5.12. PHP 8.1 und älter bekommt vom PHP-Projekt keine neuen Versionen mehr; für 7.4 bis 8.1 gibt es diesmal nur Quellcode-Korrekturen zum Selbstkompilieren. Übergangsmaßnahmen sperren nur einzelne Angriffswege, vollständig hilft allein das Update.

Die Sicherheitsfirma Wiz führte Angriffe ohne Anmeldung auch auf vollständig aktualisierte WordPress-, Drupal- und Joomla-Installationen vor und konnte nach eigener Angabe Speicherinhalte mit Passwörtern und Zugangsschlüsseln auslesen. Die Sicherheitsfirma Calif zeigte Angriffe zusätzlich auf Systeme wie Magento, Nextcloud, phpMyAdmin und Roundcube. Hinter den Lücken steckt ein Fehler im Umgang mit Speichergrenzen, verwandt mit einer Art von Angriff, die 2004 erstmals beschrieben wurde.

Wie die Lücken gefunden wurden

Ende Juli 2026 begann Ryan Austin von Calif, PHP zu prüfen, im Programm „Patch the Planet“, mit dem OpenAI die Absicherung wichtiger Open-Source-Software unterstützt. Am 1. August fand er erste Wege, Code auszuführen, am 11. August meldete er die erste Lücke an das PHP-Projekt. Nach Angaben von OpenAI arbeitete er mit GPT-5.6 Sol, dem Spitzenmodell der GPT-5.6-Reihe vom Juli 2026; Calif selbst nennt in seinem Bericht kein Modell.

Austin beschreibt die Arbeit als Zusammenspiel. Er lenkte seinen KI-Begleiter auf ein Angriffsmuster gegen PHP aus dem Jahr 2004, ließ einen Agenten den Quellcode durchgehen und machte aus dem ersten Fund eine wiederverwendbare Anleitung, die einen weiteren Fund brachte. Spezialwerkzeuge oder nicht allgemein verfügbare Modelle seien beim ersten Fund nicht im Spiel gewesen. Von sich aus fingen Sprachmodelle aber nicht verlässlich bei zwanzig Jahre alten Angriffsmustern an; wer die Geschichte eines Ziels kennt, kann sie dorthin lenken. Gefunden hat also ein erfahrener Forscher mit KI, nicht die KI allein.

Er war auch nicht der Einzige. Am selben 11. August meldete OpenAIs eigenes Sicherheitsteam unabhängig dieselbe Ursache, am 18. September folgten von dort weitere Angriffswege. Ab dem 19. August fand die Sicherheitsfirma Wiz weitere Angriffswege, nach eigener Darstellung mit einem eigenen Werkzeug, mit GPT-5.6 Sol und vor allem mit Googles Gemini 4 Argon, dessen Beitrag Wiz besonders hervorhebt. Ganz uneigennützig ist das wohl nicht: Wiz verweist für den Datenschutz auf die Hinweise von Google Cloud für übernommene Unternehmen und gehört demnach offenbar zu Google. Die Sicherheitshinweise des PHP-Projekts nennen vier Melder.

Erste Anzeichen des Speicherfehlers hinter einer der Lücken hatte ein PHP-Entwickler schon 2024 bemerkt, bei einer Sicherheitsprüfung durch die Firma Quarkslab, die die deutsche Sovereign Tech Agency finanziert hatte. Einen konkreten Angriffsweg fand er damals nicht, und die Korrektur blieb monatelang liegen; die PHP Foundation spricht selbst von einem strukturellen Versagen. Erst die Meldungen von Calif, OpenAI und Wiz machten das volle Ausmaß klar. Zum Prüfen der eingehenden Meldungen nutzte das PHP-Team unter anderem OpenAIs Spezialzugang Daybreak Red. Zuvor hatte es PHP im Jahr 2026 über die Sicherheitsinitiative Alpha-Omega mit Anthropics Modell Claude Mythos durchsuchen lassen; ob dieser Durchlauf die Lücke übersah, schreibt die Foundation nicht.

Was in ChatGPT anders ist

GPT-5.6 Sol ist kein spezielles Sicherheitsmodell, sondern das Spitzenmodell einer allgemeinen Modellreihe. In ChatGPT können es Kunden ab dem Plus-Tarif auswählen, auch wenn es seit der GPT-6-Generation nicht mehr das neueste Modell ist; es läuft außerdem im Programmierwerkzeug Codex und über die Schnittstelle. In ChatGPT filtert OpenAI heikle Anfragen zur Cybersicherheit. Geprüfte Verteidiger erhalten über das Programm Daybreak einen Zugang mit gelockerten Filtern; das eigens trainierte Spezialmodell GPT-5.6-Cyber gibt es nur über die Stufe Daybreak Red. Über welchen Zugang Calif arbeitete, ist nicht bekannt.

„Patch the Planet“ ist Teil von Daybreak. OpenAI hat das Programm im Juni 2026 mit der Sicherheitsfirma Trail of Bits gestartet; teilnehmende Open-Source-Projekte erhalten unter anderem ChatGPT Pro und Guthaben für die Schnittstelle. Nach eigenem Kenntnisstand habe Spitzen-KI die PHP-Lücken vor den Angreifern gefunden, schreibt OpenAI, und erwartet, dass solche Funde stark zunehmen. Ganz dicht war das Zeitfenster für die Verteidiger allerdings nicht.

Warum es eilt

Am 20. Oktober 2026 sickerten die Kennungen der Lücken vorzeitig durch, zunächst mit einem falschen Schweregrad. Das PHP-Projekt zog die Updates um einen Tag vor, und Calif stellte versehentlich ein Video seines Angriffsnachweises online, das laut PHP Foundation die Entwicklung öffentlicher Angriffe beschleunigte. Am Morgen des 21. Oktober brach der Softwareanbieter Chainguard die vereinbarte Sperrfrist, um 14 Uhr Weltzeit erschienen die Updates.

Amazon sah in seinen Köderservern schon am 17. Oktober, vier Tage vor der Veröffentlichung, einen Angriffsversuch und spricht seit dem 21. Oktober von breiter Ausnutzung; auch die Sicherheitsfirma watchTowr beobachtet seit diesem Tag Angriffe auf ihre Köderserver. Berichte über bestätigte Einbrüche bei Unternehmen waren bis zum 22. Oktober 2026 nicht zu finden. Das BSI warnt eindringlich: Vizepräsident Thomas Caspers hält großflächige Angriffe binnen weniger Stunden für wahrscheinlich, weil Angreifer Updates mit KI-Werkzeugen schnell analysieren und daraus Angriffe bauen können. Auch Amazon schreibt, KI mache es billiger, aus einem Update oder einer Sicherheitsmeldung einen funktionierenden Angriff zu machen.

Was Hoster und Hersteller sagen

IONOS, Strato, Hetzner, netcup und all-inkl melden ihre Webhosting- und Managed-Angebote als gepatcht; netcup nahm seine Webhosting-Pakete und Managed Server am 21. Oktober vorsorglich vom Netz, bis sie abgesichert waren. Wer PHP selbst betreibt oder betreiben lässt, auf eigenen Servern, in Containern oder über eine Agentur, muss das Update selbst veranlassen. Ein Update von WordPress, TYPO3 oder Drupal hilft nicht, aktualisiert werden muss PHP darunter; WordPress rät Betreibern, die selbst hosten und alte Versionen nutzen, sogar zu erwägen, den Server bis zum Update vom Netz zu nehmen.

Die Anbieter geben weitere Hinweise. netcup weist darauf hin, dass die angezeigte Versionsnummer trotz Patch unverändert sein kann. all-inkl rät, Websites auf unbekannte Dateien, unerwartete Änderungen und neue Benutzerkonten zu prüfen, und IONOS warnt vor Phishing-Mails, die sich auf die Lücke berufen. Heikel sind alte Versionen: Rechnerisch läuft nach den Zahlen von W3Techs knapp die Hälfte der PHP-Websites auf 8.1 oder älter. Manche Anbieter bessern solche Versionen selbst nach, Hetzner und all-inkl etwa haben auch ältere PHP-Versionen gepatcht.

Was Geschäftsführungen daraus mitnehmen können

Was Verteidiger mit KI finden, können Angreifer mit KI schnell ausnutzen, sobald ein Update erscheint. Das Patch-Tempo wird damit zur Führungsaufgabe.

Sofort klären: Lassen Sie sich bestätigen, wo bei Ihnen PHP läuft, auch außerhalb des Hosting-Pakets: eigene Server, Container, Installationen bei Agenturen, Geräte mit eingebautem PHP. Für jede Installation brauchen Sie einen Verantwortlichen und ein Datum, bis wann gepatcht ist.

Patchstand prüfen, nicht die Versionsnummer: Manche Anbieter patchen, ohne die Versionsnummer zu ändern, und Prüfwerkzeuge, die nur die Version auslesen, erkennen solche Korrekturen nicht. Lassen Sie den Patchstand ausdrücklich bestätigen und die Protokolle erreichbarer Server ab dem 17. Oktober 2026 prüfen, wie es Amazon empfiehlt.

Reaktionszeiten vereinbaren: Legen Sie mit Hostern und Agenturen verbindliche Fristen für kritische Sicherheitsupdates fest, in Stunden statt in Tagen, und lassen Sie sich die Einhaltung berichten. Systeme ohne Updates gehören auf einen Ablöseplan mit Termin.

Selbst mit KI prüfen: Lassen Sie eigene Entwicklungen wie Shop-Erweiterungen und Kundenportale gezielt mit KI auf Schwachstellen untersuchen, bevor es andere tun.

Ein erster Schritt: Lassen Sie sich von Hoster, Agentur und IT schriftlich bestätigen, auf welchem PHP-Patchstand jede Ihrer Websites, Shops und Portale läuft.

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Quellen: PHP-Projekt, Security Advisory vom 21. Oktober 2026 und Vorankündigung vom 20. Oktober 2026 · PHP-Projekt, GitHub-Sicherheitshinweise zu CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619, 21. Oktober 2026 · The PHP Foundation, Blogbeitrag zum Sicherheitsupdate, 21. Oktober 2026 · Calif, „php2shell by Calif Research“ · OpenAI, „Patch the Planet: global response coordination as agents uncover critical vulnerabilities“, 21. Oktober 2026 · OpenAI, GPT-5.6, 9. Juli 2026 · OpenAI, „Patch the Planet“, 22. Juni 2026 · OpenAI, „Expanding Daybreak as the cyber defense window narrows“, 10. August 2026 · OpenAI Help Center, abgerufen am 22. Oktober 2026 · OpenAI, php2shell-checker auf GitHub, abgerufen am 22. Oktober 2026 · Wiz Research, 21. Oktober 2026 · Amazon Web Services, Security Blog, 21. Oktober 2026 · watchTowr, „Frequently Asked Questions About PHP Remote Code Execution“, 20. und 22. Oktober 2026 · BSI, Cybersicherheitswarnung 2026-297981-1032 und Pressemitteilung, 21. Oktober 2026 · IONOS, Strato, Hetzner, netcup und all-inkl, 21. und 22. Oktober 2026 · WordPress, TYPO3 und Drupal, 21. Oktober 2026 · W3Techs, abgerufen am 22. Oktober 2026