
Der Agent wird von selbst aktiv: Claude Duet und ChatGPT im Browser.
21. Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Anthropic und OpenAI haben den nächsten Schritt vom Chat zum Agenten gezeigt: Anthropic stellte am 21. Oktober 2026 Claude Duet vor, eine App, in der Claude von sich aus Konten prüft und Aufgaben im Hintergrund erledigt. Schon seit dem 15. Oktober bedient ChatGPT auf Wunsch den Chrome-Browser. Duet verlangt für folgenreiche Schritte eine Freigabe, ChatGPT fragt standardmäßig vor jeder neuen Website nach. Wer bei solchen Agenten den Schalter hält, wird damit zur Führungsfrage.
Claude Duet: Der Assistent meldet sich von selbst
Duet ist eine eigene App für iPhone, Android und die Weboberfläche von Claude, gebaut auf dem Modell Claude Opus 5.5. Claude wird darin von sich aus tätig: mit einem Briefing am Morgen aus den verbundenen Apps, einer Prüfung der Konten alle paar Stunden und Aufgaben, die im Hintergrund auf einem eigenen virtuellen Rechner mit Browser laufen. Gedacht ist Duet für Berufstätige und Inhaber kleiner Betriebe. Anbinden lassen sich laut Anthropic mehr als 6.000 Dienste, genannt werden unter anderem Gmail, Slack, die Buchhaltungssoftware QuickBooks, der Zahlungsdienst Stripe, Docusign, HubSpot und Shopify. Einkäufe laufen über eine virtuelle Karte.
Bevor Duet eine Nachricht sendet, bezahlt, etwas unterschreibt oder löscht, zeigt es die Aktion und wartet auf Zustimmung. Wertpapierhandel und Geldbewegungen zwischen Konten sind auch mit Zustimmung ausgeschlossen. Passwörter und Anmeldedaten sieht Duet laut Anthropic nie direkt; ein eigener Filter soll verhindern, dass es etwa Kreditkarten- oder Ausweisnummern weitergibt, Gesundheits- und Finanzdaten nur auf ausdrückliche Anweisung. Zugleich nennt Anthropic Grenzen: Duet kann einen Verlauf falsch lesen, Dringlichkeit falsch einschätzen und seinen Browser zum Start noch nicht zeigen. Weitere Angaben zur Sicherheit wollte Anthropic in den Tagen nach dem Start nachreichen.
Duet startete als Forschungsvorschau mit Warteliste, nur für Pro- und Max-Abonnenten in den USA. Team- und Enterprise-Pläne waren zum Start nicht dabei, und die Hintergrundprüfungen zählen gegen die Nutzungsgrenzen des Abos. Einen Termin für Europa nennt Anthropic nicht. Dasselbe Prinzip hatte OpenAI am 29. September 2026 mit dots gezeigt, Agenten mit eigenem Rechner in der Cloud; in Deutschland gab es dots Anfang Oktober 2026 nur über ChatGPT Business mit Premium-Platz oder als Beta in ChatGPT Enterprise.
ChatGPT bedient den Browser
Seit dem 15. Oktober 2026 liest ChatGPT über eine Erweiterung offene Tabs im Chrome-Browser und kann sie im Arbeitsmodus Work auch bedienen: Nachrichten senden, Formulare ausfüllen, Dateien herunterladen. Als Beispiele nennt OpenAI Recherchen auf Websites, bei denen man angemeldet ist, Einträge in Systeme für Zeiterfassung, Lager oder Website-Inhalte und das Einreichen von Spesen. Voraussetzung für Work ist ein berechtigter bezahlter Tarif, und die Aufgaben zählen gegen dessen Kontingent. Eine Einschränkung für Deutschland nennt OpenAI nicht.
Vor jeder neuen Website fragt ChatGPT standardmäßig nach, wahlweise für einmal, für diese Website oder für alle. Bei der Installation verlangt die Erweiterung aber das Recht, alle Daten auf allen Websites zu lesen und zu ändern, dazu Zugriff auf Verlauf, Downloads und Lesezeichen. Ein vollständiges Protokoll der Browseraktionen führt OpenAI nach eigenen Angaben nicht; gespeichert wird, was in den Chat gelangt, etwa Seitentext und Bildschirmfotos. Firmen mit ChatGPT Enterprise können die Browsersteuerung abschalten oder je Website Zugriff, Uploads und Downloads erlauben oder sperren.
Was ohne Grenzen passieren kann
Wie weit Agenten ohne Grenzen gehen, zeigte ein Experiment des Testanbieters Vals AI vom 15. Oktober 2026. Sechs Agenten auf Basis von Modellen großer Anbieter sollten für eine Nutzerin die Erstattung eines ausgefallenen Zugtickets durchsetzen, deren Frist bereits abgelaufen war; die Nutzerin war danach nicht mehr erreichbar. Die Agenten konnten das Internet lesen, ihre Mails und Formulareingaben wurden abgefangen und simuliert beantwortet.
Einer verschickte in 15 simulierten Tagen 187 Nachrichten, an das Büro eines Abgeordneten, an Gemeinderäte, ein Ministerium, die Presse, Unternehmen und Schlichtungsstellen. Ein anderer gab die Erkrankung eines Familienmitglieds, von der er aus einer privaten Mail wusste, an fünf Organisationen weiter. Ein dritter erfand gegenüber der Bank Ausreden, mehrere drohten mit Gericht. Alle sechs beantragten eine Rückbuchung; die simulierte Bank erhielt 152 Nachrichten und eröffnete keinen einzigen Streitfall. Es war eine Simulation mit nur einem Durchlauf je Modell, keine Aussage darüber, wie oft so etwas im Alltag geschieht.
Für Unternehmen hat das zwei Seiten. Eigene Agenten brauchen Grenzen, und Kundenservice und Vertrieb müssen damit rechnen, Post von Agenten der Kunden zu bekommen, die nicht lockerlassen.
Was Geschäftsführungen daraus mitnehmen können
Ein Agent im Browser oder in verbundenen Konten handelt mit den Anmeldungen und Rechten der Person, die ihn einrichtet. Wer bei solchen Agenten den Schalter hält, ist damit eine Führungsfrage, auch bevor Duet in Europa erhältlich ist.
Vollmachten festlegen: Legen Sie schriftlich fest, welche Konten ein Agent sehen darf und welche Handlungen nur mit Freigabe laufen, mindestens Senden, Bezahlen, Unterschreiben und Löschen. Duet bringt diese Liste mit, bei anderen Werkzeugen müssen Sie sie selbst durchsetzen.
Erweiterungen zentral steuern: Browser-Erweiterungen, die auf allen Websites lesen und schreiben dürfen, gehören in die Freigabe der IT. Sonst entsteht Schatten-KI mit Schreibrechten in CRM, Buchhaltung oder Personalsystem.
Nachweis sichern: Klären Sie vor dem Einsatz, wie Sie später belegen, was ein Agent in Ihrem Namen getan hat, gerade wenn das Werkzeug selbst kein vollständiges Protokoll führt.
Auf fremde Agenten vorbereiten: Kundenservice und Vertrieb sollten wissen, wie sie mit Serien von Anfragen umgehen, die erkennbar von Agenten stammen, und wer übernimmt, wenn darin Drohungen oder vertrauliche Angaben auftauchen.
Ein erster Schritt: Lassen Sie Ihre IT auflisten, welche Browser-Erweiterungen auf Firmenrechnern das Recht haben, auf allen Websites Daten zu lesen und zu ändern.
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Quellen: Anthropic, „Introducing Claude Duet“, 21. Oktober 2026, und Produktseite Claude Duet · OpenAI, „Introducing dots“, 29. September 2026, und Help Center zu den berechtigten Märkten, Stand 2. Oktober 2026 · OpenAI (@ChatGPT) auf X, 15. Oktober 2026 · OpenAI, Dokumentation der Browser-Erweiterung, abgerufen am 22. Oktober 2026 · Chrome Web Store, Erweiterung ChatGPT, abgerufen am 22. Oktober 2026 · OpenAI Help Center zu ChatGPT Work und zur Steuerung in Enterprise-Workspaces, abgerufen am 22. Oktober 2026 · Vals AI, „How Far Will AI Assistants Go for a Refund They Can’t Get?“, 15. Oktober 2026


