Als ich Silbury 2007 mitgegründet habe, war mir ein familiäres Klima im Unternehmen sehr wichtig. Das ist es auch heute noch. Doch wurde mir vor wenigen Jahren persönlich ein äußerst klarer Spiegel vorgehalten, der ein Umdenken ausgelöst hat. Ich musste feststellen, dass familiär nicht immer gut ist. Denn in einem Bereich ähnelte Silbury inzwischen einer dysfunktionalen Familie. Das Problem lag in unserer Feedbackkultur.

Eine Schocktherapie zu Feedbackkultur

Im November 2017 nahm ich an einem Unternehmertraining teil, das zum Ziel hatte, Herausforderungen gemeinsam zu lösen und an uns selbst als Unternehmer zu arbeiten. Wir trafen uns in einer Runde von etwa 20 Personen. Das Programm startete mit einer “Herausforderungsrunde”: Jeder nannte ein aktuell drängendes Problem und sammelte das Feedback der anderen dazu.

Selbstsicher schilderte ich meine Situation – schließlich hatte ich schon Lösungsansätze im Hinterkopf. Als ich fertig war, sah mich einer der Teilnehmer, Sebastian, direkt an und fing an mir, ohne Rücksicht auf Verluste, reinen Wein einzuschenken: Er zeigte mir meine blinden Flecken auf, sprach sehr direkt aus, was ich nicht sehen konnte und nannte mir die Punkte, in denen ich mir selbst in die Tasche log. Ich war schockiert. Er hatte mein Bild von der Situation und meiner Rolle darin komplett auseinandergenommen. Ich war sprachlos.

Als ich später allein in meinem Hotelzimmer saß, beschloss ich, dieses Training abzubrechen. Diese Art von Kommunikation würde mich nicht weiterbringen. Solch ein Feedback kam mir zu hart vor.

Dennoch wollte ich wissen, was sich Sebastian bei seinem Feedback eigentlich gedacht hatte, was er mir überhaupt hatte sagen wollen. Am nächsten Tag ging ich direkt auf ihn zu, und musste feststellen, dass es ihm ebenso schwergefallen war, mir ehrliches Feedback zu geben, wie mir, es anzunehmen. Er hatte mir aufzeigen wollen, was ich selbst nicht in der Lage war zu sehen.

Meine Wahrnehmung der Situation wandelte sich grundlegend. Ich fing an, Sebastians Feedback als Geschenk wahrzunehmen und es als solches zu schätzen. Natürlich blieb ich beim Training, anstatt nach Hause zu fahren.

Nur Bestätigung führt zu keinen Verbesserungen

In meinem eigenen Unternehmen sah Feedback ganz anders aus: Es wurden nur bestätigende Punkte zur Sprache gebracht. Zwar hatte ich immer kommuniziert, dass Feedback jeglicher Art willkommen war, doch hatten meine Mitarbeiter gemerkt, dass ich negative Punkte weder gerne ansprach noch hören wollte. Meinen Worten waren nur halbherzige Taten gefolgt. Mein Team hatte so gelernt, vor Negativem die Augen zu schließen. Kritik wurde nicht ausgesprochen, so nützlich sie auch hätte sein können. Im Punkt Feedback hatte sich das Team von familiär zu dysfunktional entwickelt. Diese Kuschelkultur brachte uns nicht voran.

Meine Erfahrung im Unternehmertraining brachte in mir ein Umdenken ins Rollen. So schön es sich auch anfühlte, nur positives Feedback zu bekommen, so nutzlos war es auch. Wenn mich niemand auf meine blinden Flecken hinwies, wie würde ich mich verbessern können? Mir wurde klar, dass ich dieses Denken auch bei Silbury etablieren wollte.

Ich würde jedoch lügen, wenn ich behaupten würde, dass es einfach ist, mit negativem Feedback gut umzugehen. Erst dieses Jahr fühlte ich mich bereit, meinem Team von meinen Erfahrungen zu erzählen und meinen Wunsch nach echtem Feedback zu äußern. Die Sache hatte in mir arbeiten müssen und ich musste erleben, dass ich mich durch klares und ehrliches Feedback verbessern konnte.

Mit ehrlichem Feedback auf dem Weg zur Erfolgsmannschaft

Ich wünsche mir, dass Silbury wie eine erfolgreiche Fußballmannschaft arbeitet. Nicht eine Mannschaft mit wenigen Stars, die jedes Spiel alleine stemmen, sondern eine, in der jeder sein Bestes gibt. Das Silbury Team soll gemeinsam trainieren, antreten, siegen und Erfolge feiern.

Dazu gehört, dass Fehler angesprochen werden, so klar und deutlich wie möglich und immer wertschätzend. Feedback ist nicht dafür da, jemandem endlich mal die Meinung zu sagen. Das Ziel muss sein, dass das Gegenüber sehen kann, wo Verbesserung möglich ist. Wir wollen gemeinsam Veränderung treiben und einander anspornen.

Natürlich wird es am Anfang holprig werden und es werden Fehler passieren. Wir werden lernen müssen, auch unangenehmes Feedback zu geben, sowie anzunehmen. Dank der freundschaftlichen Kultur bei Silbury bin ich zuversichtlich, dass wir mit dieser Ehrlichkeit gut umgehen können.

Die Strukturen sind vorhanden, in Mitarbeitergesprächen und auch in regelmäßigen Mitarbeiterumfragen. Nun liegt es an uns allen, unsere Mannschaft auf das nächste Level zu heben, Missstände offen anzusprechen und gemeinsam daran zu wachsen.

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