Die Zukunft beginnt im Herbst, zumindest in Nürnberg. Denn dann eröffnet das Zukunftsmuseum im Herzen der Stadt als Zweigstelle des Deutschen Museums. So widersprüchlich Zukunft und Museum in einem Wort auch klingen, es beschreibt sehr treffend, was im futuristisch anmutenden Bau zu sehen und vor allem zu erleben sein wird. Das Exponat von Silbury spielt mit künstlicher Intelligenz. 

Mit Prototypen von Verkehrsmitteln der Zukunft rechnet man zurecht, doch die Zukunft ist oft viel subtiler. In unserem Alltag ist sie schon längst da – häufig unbemerkt. Uns ist selten bewusst, wie oft wir zum Beispiel mit künstlicher Intelligenz (KI) kommunizieren. Obwohl natürlich niemand erwartet, dass die Fragen an Suchmaschinen von Menschen beantwortet werden.

Wie sieht es aber aus, wenn wir nicht wissen, wer unsere Fragen beantwortet? Könnten wir eine menschliche von einer maschinellen Antwort unterscheiden? Wie “menschlich” ist künstliche Intelligenz inzwischen? Im Zukunftsmuseum geht Silbury dieser Frage auf den Grund. Das interaktive Ausstellungsstück “Bot-or-not“ fordert Teilnehmer im Spiel heraus, Fragen in einen Rechner zu tippen. Punkte gibt es für Spieler, die erkennen ob ein Mitspieler geantwortet hat oder aber die KI Wolfram Alpha.

Geboren wurde die Idee zum Projekt von Silbury bereits 2019. Im Gespräch mit Museumsleiter Dr. Andreas Gundelwein schlug Silbury CEO Markus Neubauer ein Ausstellungsstück zum Thema Turing-Test vor. Die Idee fand Gefallen und ein dediziertes Team bei Silbury machte sich an die Arbeit.

Mit dem später sogenannten Turing-Test formulierte Alan Turing im Jahr 1950 eine Idee, wie man feststellen könnte, ob ein Computer, also eine Maschine, ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hätte. (Wikipedia) 

Die Zukunft entwickelt der IT-Nachwuchs

Das Team koordiniert Oliver Thalmann, der gerade seine Ausbildung bei Silbury mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Das Frontend verantwortet Nils Weber, der ein duales Informatik-Studium absolviert. Das Backend hat Ethan Glumm fest im Griff – er hat seine Ausbildung vorletztes Jahr bei Silbury abgeschlossen und ist seitdem fest angestellt. Dass der IT-Nachwuchs von Silbury das Projekt treibt ist kein Zufall. Das Museum will vor allem junge Menschen für Zukunftstechnologien begeistern und Silbury möchte zeigen, was möglich ist mit einer Ausbildung in einem MINT-Beruf. Neben dem Spiel mit der künstlichen Intelligenz soll auch die Neugier für die Mitgestaltung der Zukunft geweckt werden.

Wie alle Softwareentwicklungsprojekte bei Silbury wurde auch der Turing-Test agil angegangen. Jede Idee hat das Entwicklungsteam getestet, bevor weiterentwickelt wurde. Schon für das Konzept gab es verschiedene Ideen: Sollte ein Bewerbungsgespräch simuliert werden oder etwa eine Dating-App? Beim Dot-Voting mit allen Stakeholdern gewann aber schließlich das Bot-or-not Konzept. Redet der Spieler mit seinen Mitspielern oder aber mit einem Roboter?

Bot-or-Not – powered by Wolfram Alpha

Der Roboter ist in diesem Fall die KI Wolfram Alpha. Diese war nicht von Anfang an in die Anwendung integriert, denn auch hier wollten die Entwickler das Konzept testen, bevor sie zuviel Zeit und Wissen in eine Idee investierten, die vielleicht nicht auf die erhoffte Gegenliebe stieß. “Wir haben das Bot-or-not-Spiel auf der KIrmes im Oktober 2019 in München getestet. Wir wollten sehen, wie Besucher des KI-Jahrmarkts im Deutschen Museum das Spiel finden”, erklärt Projektkoordinator Oliver Thalmann. In dieser Frühphase der Entwicklung wurden die KI-Antworten noch manuell ins System eingepflegt. Passanten konnten dabei zusehen und sich auf diese Weise vergewissern, dass die Antworten tatsächlich nicht von einem Menschen gegeben wurden.

Die Besucher hatten Spaß am Spiel und zeigten großes Interesse an der Interaktion mit der künstlichen Intelligenz. Daraufhin hat das Entwicklerteam von Silbury bei Wolfram Alpha angeklopft und um Nutzungserlaubnis der offiziellen Wolfram Alpha API (Anwendungsprogrammierschnittstelle) gebeten. Beim Team hinter der künstlichen Intelligenz traf man auf Begeisterung und so wurde die Meta-Suchmaschine fester Bestandteil von Bot-or-not.

Der Prototyp von der KIrmes kommt nicht ins Museum, sondern verbleibt bei Silbury. Wenn es die Corona-Situation wieder zulässt will Silbury das Spiel leihweise in Schulen oder auch in der Industrie- und Handelskammer (IHK) aufstellen.

Das Zukunftsmuseum in Nürnberg eröffnet im dritten Quartal diesen Jahres im Augustinerhof. Das nächste Ausbildungsjahr bei Silbury startet im September 2021.

Header-Bild: Atelier Brückner

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