Chatbotsummit 2018 in Tel Aviv

Am 31. Januar fand der dritte Chatbot Summit statt,
diesmal in Tel Aviv. Für mich war es der zweite,
nach dem Summit in Berlin. Daher war ich besonders gespannt,
wie sich die Branche in dem halben Jahr seitdem entwickelt hat.

Der Summit
aus meiner Sicht

Der Gründer und CEO des Summits ist Yoav Barel, Tech-Entrepreneur aus Israel mit Erfahrung als Software-Ingenieur bei Oracle. Sein Ziel: den Pionieren in diesem noch jungen Markt helfen, schneller zu wachsen – indem er sie vernetzt. Die Konferenz bringt über 1000 Enthusiasten der neuen Chatbot-Ökonomie zusammen. Im Fokus des Dialogs zwischen Teilnehmern, Konzernen, Start-ups und anderen Experten steht die Frage, wie Chatbots unsere Zukunft verändern. Im Folgenden möchte ich meine ganz persönlichen Eindrücke und wichtigsten Erkenntnisse teilen.

Andreas Konrads
Andreas KonradsIntrapreneur
In meiner Rolle als Intrapreneur bei Silbury baue ich das Business rund um Bots auf.
Opening ChatbotsummitHype-cycle von bots

Der Hype ist der Realität gewichen

 „Wer kennt einen wirklich überragenden Bot?“

fragt Yoav Barel die Teilnehmer bei seiner Opening Speech. Nur vereinzelt gehen Hände der Chatbot-Pioniere hoch. Kurze Ernüchterung. Doch ich finde, das Gute daran ist: das gehypte Buzzword ist der Realität gewchen. Jetzt kristallisieren sich Best Practices heraus und die zweite Generation von Chatbot-Produkten kommt auf den Markt.

Diese Phase ist charakteristisch für neue Technologien. Lange unterschätzt, dann überhyped, folglich für nicht ausreichend abgetan – bis die Technologie sich letztlich etabliert. Weil die neue Lösung zu einem gewissen Punkt einfacher, schneller, günstiger oder besser wird. Im Idealfall lässt sich in allen Kriterien eine positive Entwicklung erkennen. In diesem Fall spricht man von Disruption. Und dann kann alles sehr schnell gehen.

Die Vision: Bots werden unser Leben erleichtern

Wir alle kennen die Erfolgsgeschichte des Smartphones. Seit der Einführung des iPhones vor nur 10 Jahren ist es heute nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken.

Ähnliche radikale Veränderungen sind durch Bots zu erwarten, glaubt man Amit Ben, Head of Technology von Nanorep. Dazu vergleicht er sie mit Entwicklungen in der Mobilität, Autonome Fahrzeuge waren von wenigen Jahren Utopie. Heute stellt sich nur noch die Frage, wann sie selbstverständlich werden. Die Parallele zu den digitalen Bots: So wie Autos dem Menschen bessere Mobilität als Pferde ermöglichen, werden Bots dem Menschen das Leben erleichtern. Dabei geht es jetzt nicht mehr um die „Hardware“, also Muskeln, sondern um die „Software“: die Intelligenz. In dieser Domäne bewegen sich Bots. Heute sind sie weit entfernt von der „künstlichen Superintelligenz“. Noch leitet der Mensch sie an. Wie ein Coach hilft er ihnen zu lernen. Doch in spezifischen Anwendungsbereichen zeigen sie bereits ihr Können. Und geht die Vorhersage von Amit Ben in Erfüllung, steuern wir auf eine Welt zu, in der es selbstfahrende Autos und intelligente Städte gibt – sowie eine Symbiose von Mensch und Bot.

Chatbot visionEvolution of bot

Von der Vision zur Realität

Auch wenn es nicht viele sind, es gibt sie: die Erfolgsgeschichten. Ähnlich wie zu Anfangszeiten der App-Ökonomie, als die ersten Apps 2008 für das Iphone herauskamen. Heute gibt es Millionen Apps.

Das Zeitalter der Unterhaltung hat begonnen

Die am häufigsten genutzten Apps setzen auf Konversationen. Führend sind hier Whatsapp, Facebook Messenger, Snapchat, Slack oder Wechat. Heute verzeichnen diese bereits über 4 Milliarden Accounts. Dazu gesellen sich immer mehr Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Google Home. All diese Kanäle bieten ein ideales Zuhause für Bots.

Wenn es einen Durchbruch bei Bots gibt, ist es Sprache. Die Unterhaltung durch Stimme bietet völlig neue Möglichkeiten. Alle großen Player – bis auf Facebook – sind bereits präsent mit ihren digitalen Sprachassistenten.

In meinen Augen steuern wir auf eine neue Ära zu: „das Zeitalter der Unterhaltung“. Die Maschine lernt, sich mit dem Menschen zu unterhalten. Und da sie letztlich Software ist, kann sie überall integriert werden. Sie bringt Autos, Gebäuden, prinzipiell jedem Objekt bei, sich mit uns zu unterhalten. Ein Beleg für die Potentiale von Sprachlösungen liefert Gabi Zodik, CTO von IBM.

Watson Assistent in Auto

Autos werden als
nächstes sprechen

(Gabi Zodik, CTO, IBM)


Watson von IBM lässt das Auto der Zukunft sprechen. Sprachkommandos zur Navigation sind heute schon Realität. Bald soll man sich mit seinem Auto über alles unterhalten können. Wie ist der Reifendruck, wo ist die Tankklappe bis zu „mache einen Termin für den Service für mich aus“. Knight Rider lässt grüßen. Laut dem Netzwerkgiganten Cisco sind heute ca. 1% aller Objekte „smart“. Ein weiteres Indiz, dass wir erst am Anfang stehen.

Diagramm mit chatbot anwendungsfällen

Die Maschine versteht
den Menschen

(Eran Vanounou, CTO, Liveperson)


Um hilfreich zu sein, müssen Bots die Absicht eines Nutzers verstehen. Die Entwicklung der letzten 3 Jahre hat die 30 vorangegangen in den Schatten gestellt. Die Genauigkeit der Spracherkennung liegt heute bei über 97%. Die Maschine versteht uns endlich.

Eran Vanounou, CTO von Liverperson, zeigt auf, dass Sprachen über 200.000 Wörter haben können. Im Business kann man die Zahl der unterschiedlichen Geschäftsprozesse auf 60-80 verdichten. Die Superpower der Bots besteht darin, aus den unzähligen Kombinationen von Wörtern Absichten zu erkennen und den richtigen Geschäftsprozess zu starten. Liveperson lädt alle Entwickler ein, zu testen, wie ihre besondere Absichtserkennung funktioniert. Unsere neugierigen Entwickler werden das Angebot auf jeden Fall wahrnehmen.

Bots ermöglichen eine neue Qualität von Kundenerlebnis

(Shai Wininger, Co-Founder, Lemonade)


Lemonade ist eine neue Versicherungsmarke mit zwei Besonderheiten: dem Geschäftsmodell und einer einzigartigen Kundenerfahrung. Laut Mitgründer Wininger findet es die Hälfte der Bevölkerung „OK, eine Versicherung zu betrügen“. Hier setzt Lemonade mit seinem Geschäftsmodell an. Erwirtschaftet das Unternehmen Gewinne aus dem versicherungstechnischen Ergebnis, fließt dieses Geld in ein sogenanntes „Giveback-Programm“, das soziale Zwecken zu Gute kommt. Die Versicherten bestimmen, wofür das Geld gespendet wird. Die Idee: Wer betrügt schon gerne sein eigenes soziales Engagement?

Das Interessante aus Bot-Perspektive ist, wie Lemonade mit seinen Versicherten interagiert. Die Smartphone-App kombiniert bewährte Funktionen aus der App-Welt mit konversationalen Elementen. Zudem gibt es nahtlose Handover zu Service-Mitarbeitern – natürlich über die App zugeschaltet. Von der Bedarfsermittlung zur Schadensabwicklung helfen intelligente Bots. Ein Fahrraddiebstahl kann so im Idealfall in nur 3 Sekunden abgewickelt werden.

Für mich die Benchmark, wie Kundenerfahrung aussehen sollte. Diesen Eindruck bestätigt mir Yoav Barel auch in einem persönlichen Gespräch am Rande der Konferenz. Seiner Ansicht nach hat Lemonade mit dem Modell und der Bot-Lösung die Voraussetzungen, die Versicherungsbranche zu „disrupten“.

Bis es zu einer Disruption kommt, liegt noch einige Arbeit vor den Bot-Pionieren. Die Vision einer Welt, in der Bots unser Leben erleichtern, wurde mir nach zahlreichen weiteren Vorträgen immer klarer. Und ich versuche, mit unserer Arbeit einen bescheidenen Beitrag dazu zu leisten.

Hier geht es
zur Website
der Veranstaltung.

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Von | 2018-05-15T15:04:18+00:00 14. Februar 2018|