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Interview mit Daniel M. Richter

Consultant Lead bei Silbury

Dass die Metropolregion Nürnberg eine progressive Digitalszene beherbergt, ist über absolute Insider transformativer Netzwerke hinaus bekannt. Sie leben von kleinen Communities, die Strahlkraft über das persönliche Engagement einzelner Akteure aufbauen. Die Leidenschaft, aus technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen Optionen für eine Weiterentwicklung von Unternehmen zu schaffen, prägt die Menschen, die über Jahre hinweg eigene Grenzen aufbrechen und Verbindungen zu anderen mit Offenheit und Neugier gestalten.

Daniel M. Richter ist ein Player des fränkischen Transformationsumfelds der ersten Stunde. Ob man ihn nun als Berater oder Wegbegleiter bezeichnen möchte, muss selbst entschieden werden, sobald man sich mit ihm unterhalten hat. Wir haben uns gemeinsam mit Daniel Zeit genommen und ihn bei einigen seiner Lieblingsbeschäftigungen begleitet: Wandern! Verändern! Leben!

Hallo Daniel! Schön, dass Du dir Zeit für ein kleines internes Interview mit uns nimmst. Im hiesigen Umfeld vieler Workshops, Bar Camps und Design Thinking Sessions der Metrolpolregion Nürnberg giltst du als bekannter Moderator und Coach. Du scheinst in diesem Thema seit längerer Zeit eine Aktivität gefunden zu haben, in der Du selbst sehr weitreichend wirken kannst. Erzähl doch mal, wie es dazu kam.

Ich habe mich mit einigen Kollegen 2011 mit der Insight Innovation GmbH, einer Innovationsberatung, selbstständig gemacht. Davor war ich viel deutschlandweit unterwegs. Ich war in der Selbstständigkeit oft vor Bergen von Herausforderungen gestanden und hab mich dann nach Methoden umgeschaut, die mir bei der Lösungsfindung helfen könnten.

Da mir die innovativen Methoden zur Lösung von Problemen einfach liegen und ich dadurch eine größere Wirkung entfalten kann, wollte ich das ausprobieren und hab, natürlich auch aus Akquise- und Netzwerkgründen, alles Mögliche an Veranstaltungen mitgenommen oder selbst im Team organisiert.

Zudem bin ich jemand, der sich gern mit Menschen austauscht und dadurch lernt, bevor er sich fünf Bücher zu dem Thema reinzieht. Naja, und dann ist mein Motto halt auch: „Machen ist wie wollen, nur krasser.“ Also habe ich mich auch mal irgendwo angemeldet und musste dann liefern.

Hast Du eigentlich was „Richtiges“ gelernt? Oder anders gefragt. Was sind Deine Ursprünge und was wolltest Du mal werden?

Puuh! In den Ferien und am Nachmittag nach der Schule zu arbeiten habe ich bereits mit 15 in der Kunststofftechnik meines Onkels angefangen, weil mir die Praxis mehr liegt als die Theorie. Also habe ich 2005 nach meinem Abi eigentlich nur ein 3-monatiges Praktikum in einer Beratung gebraucht, weil ich an der WHU studieren wollte. Dann bin ich aber, über Vitamin B, zu einem neuen Beratungshaus für Personal- und Organisation, der CSCP AG in Hamburg, gekommen. Mein Glück war, dass dort erfahrene Berater, Personalleiter und Geschäftsführer gearbeitet haben und mich Jungspund als Mitarbeiter Nummer 1 an die Hand genommen haben. Ich bin dann wesentlich länger geblieben, habe mich selbständig gemacht und sehr viel durch „Learning by doing“ gelernt. Dann habe ich mal BWL und Jura studiert, aber bin auch gleich, neben der freiberuflichen Arbeit als Personalberater, in einer studentischen Beratung, der JCT in Nürnberg, gelandet.

Naja, und dann blieb neben den Projekten nicht viel Zeit für das Studium und ich habe ja sichtbare Ergebnisse sowieso viel lieber gesehen und bin durch die Herausforderungen gewachsen und musste auch viele Rückschläge in dieser Zeit hinnehmen. Dann habe ich zusätzlich mit Freunden eine Veranstaltungsfirma gegründet und mich auch da ausprobiert. Der Beratung bin ich immer treu geblieben und hab dann auch im Dachverband der studentischen Beratungen, als Beiratsvorsitzender sehr viele Erkenntnisse gewonnen. Währenddessen habe ich mich in die Gründungsberatung eingearbeitet und auch das gemacht. Dann kam die Insight Innovation, wo ich am Wochenende noch Veranstaltungstechnik und Messebau gemacht hab.

Ein großer Meilenstein war auch die Gründung unseres Verlages und das Herausbringen unseres ersten Buches „Gemeinsam Unternehmenskultur umdenken“ 2014 im Booksprint. Wir sind dann währenddessen so auf 15 Mitarbeiter und Freiberufler gewachsen und hatten auch gut zu tun. Mitte 2015 kam dann ein Einbruch in vier großen Innovationsprojekten bei Kunden aufgrund von Führungswechseln in der obersten Etage. Dadurch habe ich mit meinem zweiten Geschäftsführer dazu entschieden, die GmbH zu liquidieren und habe den verbliebenen Mitarbeiter geholfen, was Neues zu finden. Naja, dann habe ich mit einer Kollegin das Beratungsprojekt HR-Innovation bei Silbury durchgeführt und bin währenddessen im Juli 2016 zu Silbury gewechselt. Markus kannte ich schon von einigen Veranstaltungen und Gesprächen.

Also von daher habe ich nichts Richtiges gelernt. Mich hat das Interesse am neuen und das Anpassen an verschiedene Umstände geprägt.

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Du begleitest Menschen in Organisationen bei Veränderungsprozessen. Diese können vielfältig sein und je nach Kunde und Projekt sind die Anforderungen extrem divers. Wie stellst du dich als Coach und Berater auf diese Situationen ein? Hast Du eigene Rituale entwickelt, die Dir bei der Vorbereitung und Durchführung solch höchst individueller Prozesse helfen?

Menschen und Unternehmen bei Veränderungsprozessen zu begleiten, bedeutet in erster Linie zuhören. Ich habe einen gewissen Methodenkasten, auf den ich zurückgreife. Aber hier habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass die Methoden immer nur Mittel zum Zweck ist und nicht im Vordergrund steht. Ansonsten erfolgt viel aus dem Bauch heraus und ich versuche herauszufinden, was die Menschen bewegt, wann sie glücklich sind mit der Veränderung und setze mir Ziele abseits der Projektziele, an denen ich meine eigene Wirkung messe.

Ich versuche nicht alles im Detail zu planen, sondern ein gemeinsames Verständnis zum Ziel zu entwickeln und dann adaptiv voranzugehen. Und natürlich: Kommunikation und Zuverlässigkeit ist alles, auch in den kleinen Kreisen. Ansonsten versuche ich zu Assistenten*innen einen guten Draht aufzubauen, um herauszufinden, wie die Organisation tickt. Kleine Aufmerksamkeiten und Menschlichkeit helfen viel, um voranzukommen.

Die Ideen kommen mir aber meist nicht bei der Arbeit, sondern in Zeiten von Entspannung, zum Beispiel beim Sport oder dem Wandern, mein persönlicher Ausgleich für den Kopf.

Könntest Du im Rahmen Deiner langjährigen Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit Kunden von Gegebenheiten sprechen, die bei allen Menschen gleich sind, die nach einer neuen Ausrichtung suchen?

Natürlich gibt es die Angst vor dem Neuen, aber eben auch das Interesse sich zu entwickeln. Manchmal reicht nur ein kleiner Stupser, damit es losgeht. Und die alte Weisheit, dass nur visionäre Menschen oder Menschen in Not zur wirklichen Veränderung bereit sind, hat sich bei mir bewahrheitet. Dem Wunsch nach Veränderung ging meist eine gefühlte oder faktische Unzufriedenheit voraus.

Sprechen wir über die Technologisierung. Wie stark ist in Deinen Augen der Einfluss digitaler Technologien auf die Ökosysteme der Organisationen? Vielleicht kannst Du beschreiben, wie Bedarfe der Kunden sich im Laufe der Jahre verändert haben.

Technologisierung ist wie Fluch und Segen zugleich. Viele führen Trelloboards und Dailys ein und meinen dann, die Arbeitsweise hat sich zum Besseren gewandelt. Wir können Technologie aber sehr sinnvoll nutzen, wenn wir die Menschen mitnehmen und ihnen die Chancen erklären. Und die Ökosysteme werden sich radikal und (hoffentlich) nachhaltig verändern. Die Bedarfe der Kunden haben sich dabei stark verändert, da das Silodenken immer mehr aufhört und einzelne Abteilungen/Menschen in Netzwerken denken. Dadurch werden die Beratungsprojekte zwar komplizierter und manchmal auch komplexer, aber eben auch spannender.

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Würdest Du die Meinung teilen, dass noch immer der Mensch im Mittelpunkt der Handlungen steht, auch wenn wir zunehmend bereit sind, manuelle Handlungen an moderne Technologien abzugeben? Stichwort KI, Automatisierung und Robotisierung.

Es verändert sich nur das Rollenbild und die Tätigkeit an sich. Wir werden eben mehr Handwerker, Pfleger, Ärzte, Erzieher*innen, Entwickler, Umsetzungsberater, Technikspezialisten, etc. brauchen und weniger Menschen, die wiederholende Tätigkeiten durchführen oder nur reden. Ich hoffe, dass sich dadurch auch der Politik- und Verwaltungsapparat vereinfacht und verschlankt.

Wie kann und sollte uns Menschen die Digitalisierung dienen? Welche Schritte sollten wir in deinen Augen gemeinsam gehen, so dass auch nachfolgende Generationen Zukunftsaussichten haben, die ihnen die Aussicht auf ein „gutes“ Leben anbietet?

Wir sollten uns die Frage stellen: Was haben meine Kinder und Enkelkinder von meinem jetzigen Handeln? Kurzfristiges Profitdenken muss aus den Köpfen verschwinden genauso wie die Digitalisierung nicht allein als Allheilmittel funktionieren kann.

Menschen sind immer noch im Mittelpunkt und müssen im Kleinen an sich arbeiten und können ihren Wirkungskreis dadurch beeinflussen. Wir müssen gemeinsam handeln und nicht darüber reden, wer zuständig ist oder wer die Berechtigung hat – etwas was uns in Deutschland lähmt.

Wir sollten gemeinsam in nachhaltige Bildung, ein nachhaltiges Gesundheitswesen und nachhaltiges Wirtschaften investieren.

Was bedeutet für Dich die Bewegung in der Natur und welche Rückmeldung erhältst Du von der Aktivität persönlich?

Durch das Wandern nehme ich meine Umgebung bewusst wahr, schalte einen Gang zurück und genieße den Augenblick. Die Bewegung in der Natur ist für mich der Ausgleich zu unserem doch stark theoretischen Job. Wenn ich mit meiner Frau eine Wanderroute mache, habe wir am Ende gemeinsame Zeit verbracht, Schönes erlebt und uns sportlich verausgabt. Und wenn dann noch eine sportliche Herausforderung dahintersteckt, schmeckt das Siegerbier umso besser.

Zum Abschluss eine Frage in eigener Sache. Warum arbeitest du bei Silbury? Was hält dich und was macht das Arbeiten mit den Kollegen hier aus?

Der Grund für mich bei Silbury zu arbeiten ist Markus Neubauer. Ich glaube an ihn als Mensch und Unternehmer und finde seine kreativen Ideen super. Außerdem braucht er Umsetzer. Ich habe kreative Freiheiten und kann mich ausprobieren und folge nicht starren Prozessen und reinem Profitdenken wie in größeren Häusern. Mich hält gerade, dass ich den Beratungsbereich aufbauen kann, um dort mehr eigenverantwortlich zu entscheiden und unternehmerisch zu handeln – als Unternehmer im Unternehmen. Ich schätze bei Silbury die gegenseitige Unterstützung, auch spontan. Ich kann jeden fragen und kriege eine Antwort. Außerdem ist es ein sehr menschliches Miteinander und man kennt sich persönlich. Und unsere Feierlichkeiten suchen ihresgleichen!

Danke Daniel!

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